"Occupy-Omas" : Besetztes Klubhaus für Senioren als Hort des Widerstandes
29.07.2012 15:13 UhrBesetzungen laufen immer irgendwo, gerade ist die Cuvrybrache in Kreuzberg dran. Spontane Landnahmen gehören zur lokalen Folklore, sind ein Stück Berliner Protestkultur. Doch dem anarchischen Biotop droht die Auszehrung. Die Besetzer sind in die Jahre gekommen, wirken schlaff und kraftlos. Im Winter spürte man das schon, als das Occupy-Camp im Regierungsviertel widerstandslos von der Polizei geräumt wurde. Vor kurzem gab das Tacheles auf, die angedrohte Guggenheim-Lab-Besetzung fand gar nicht erst statt.
Am Kottbusser Tor, angeblich von Gentrifizierungsopfern dauerbesetzt, baumelt nur ein einsames Transparent am Eisenviadukt der U-Bahn.
Doch fernab der bekannten Subkulturreviere, im Pankower Villenviertel Niederschönhausen, erhält die lahmende Besetzerszene eine unerwartete Auffrischung. Ein Gruppe dynamischer Rentnerinnen, politisch bislang unauffällig, hat ihr Seniorenfreizeitzentrum okkupiert. Der Bezirk wollte die Freizeitstätte schließen, die Bridge- und Rommé- und Sportgruppen auf andere Häuser verteilen und das sanierungsbedürftige Gebäude verkaufen. Eine Sparmaßnahme wegen des klammen Haushalts. Die 300 Nutzer, viele davon alleinstehend, seit 14 Jahren eine gute Gemeinschaft, waren schockiert, dass man so über ihre Köpfe hinweg entscheiden würde. Sie legten ihr Veto ein, protestierten vor dem Rathaus, in der BVV, doch „überall wurden wir abgewiesen“, sagt Brigitte Klotsche, Vizechefin des Beirats. Eines Abends saßen die Damen beisammen und beratschlagten die nächsten Schritte.
Das Occupy-Camp in Berlin ist Geschichte:
Da wurde die Idee mit der Besetzung geboren, „ganz spontan, ohne viel Nachdenken“, sagt die 73-jährige ehemalige Kitaleiterin, jetzt für die Pressearbeit zuständig. Seit Beginn der Besetzung ist eine riesige Welle an Aufmerksamkeit und Anerkennung über sie hinweggerollt. Gregor Gysi von den Linken kam vorbei, die Schauspielerin Jasmin Tabatabai machte eine Soli-Lesung. Das iranische Fernsehen war schon da, der britische „Guardian“ hat über sie geschrieben, im „Solidaritätsbuch“ gibt es Einträge auf Chinesisch, Französisch und Russisch. Ein besetztes Klubhaus für Senioren als Hort des Widerstandes gegen den Staat, das gibt es offenbar nur in Berlin.
Video: Mieterprotest am Kotti







































