Berlin : Oderbrücke in Europa-Blau

Frankfurt feierte mit Slubice

Claus-Dieter Steyer

Das einzige kriegerische Utensil der EU-Feier auf der Brücke zwischen Frankfurt und Slubice versagte symbolträchtig seinen Dienst: eine Pistole. So mussten mehrere Dutzend Freizeitläufer am Freitagabend kurz vor 23 Uhr auf Zuruf zu ihrem Lauf zwischen den beiden Oderufern starten. Und kamen doch nicht weit, denn auf der polnischen Seite verhinderte eine große Menschenmenge jedes Fortkommen. Dort in Slubice herrschte vor der Bühne, in den Biergärten und auf den Uferwiesen echte Begeisterung. In Frankfurt dagegen war die Stimmung eher gedämpft.

Das hatte auch Bundesaußenminister Joschka Fischer vor seiner Abfahrt aus Berlin aus den Fernsehnachrichten erfahren. Die Kameras zeigten eine weitgehend leere östliche Oderpromenade, Konzertbühnen mit nur wenigen Zuschauern und gelangweilt auf Gäste wartende Bier- und Wurstverkäufer. Vor allem die Jugend machte sich rar. Sie folgte harter Rock-Musik in Slubice, während die klassische Musik des Brandenburgischen Staatsorchesters in diesen Stunden nicht unbedingt den Nerv der Frankfurter traf.

Auch in den Gesprächen an den Biertischen zeigten sich die großen Unterschiede. Auf polnischer Seite spürte der Gast eine fast grenzenlose Euphorie über die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten der EU, in Frankfurt dagegen vor allem die Angst vor dem Verlust weiterer Jobs.

Erst um Mitternacht änderte sich die abwartende Stimmung. Das lag aber weniger am Aufruf von Fischer, „nun endlich richtig zu feiern“ oder an den Reden über das „neue Europa“, sondern an einem Meisterwerk polnischer und deutscher Pyrotechniker. Diese zauberten kurz nach dem Händedruck zwischen Fischer und dem polnischen Außenminister Wlodzimiers Cimoszewicz ein Feuerwerk der Extraklasse über die EU-blau strahlende Oderbrücke.

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