Berlin : Ödes Becken, tote Pflanzen, verfaulter Steg

Der Landschaftspark Johannisthal hat 15 Millionen Euro gekostet. Jetzt ist er ein einziges Ärgernis

Sebastian Leber

Es klang so schön: Wenn das Wasser im großen Betonbecken ganz still steht und kein Wind die Oberfläche kräuselt, sollte sich im Wasser der Himmel über Adlershof spiegeln. „Himmelsspiegel“ heißt das Becken deshalb poetisch. Doch statt Wolken oder strahlendem Blau sieht man darin nur Kieselsteine, Müll und ein bisschen Regenwasser. Kein schöner Anblick.

Der „Himmelsspiegel“, vor fünf Jahren für 345 000 Euro eingerichtet, ist eines der Bauprojekte im Landschaftspark Johannisthal, die der Rechnungshof in seinem Prüfbericht kritisiert. Für 15 Millionen Euro wurde der 70 Hektar große Park um ein abgesperrtes Naturschutzgebiet herum angelegt, jetzt ist er in einem miserablen Zustand, macht laut Prüfbericht einen „verwahrlosten Eindruck“. Man sieht umgefallene Holzzäune, verwilderte Beete, mit Graffiti beschmierte Infotafeln, eine Sandgrube, die wohl einmal ein Spielplatz werden soll. Sprungfedern ragen aus dem Boden, darauf könnte man Schaukelgeräte montieren. Ohne diese kann man sich an den Spiralen höchstens verletzen.

Das Gelände des Parks war lange Brachland. 1909 wurde hier der erste Motorflugplatz Deutschlands gebaut. Später gehörte das Gelände der Volksarmee, wurde aber kaum genutzt. So entstand eine außergewöhnliche Naturlandschaft mit 245 Wildpflanzenarten. Die innere Fläche des Parks darf man nicht betreten – sie sollte jedoch durch eine 650 Meter lange, leicht erhöhte Holzsteganlage „visuell erlebbar“ werden. 550 000 Euro hat die gekostet. Das Problem: Seit anderthalb Jahren darf der Steg wegen akuter Unfallgefahr nicht mehr betreten werden – die Hölzer haben sich verformt und sind teilweise verfault. Der gesamte Steg wurde mit Metallgittern abgesperrt, für die nun Mietgebühren anfallen: mittlerweile 10 000 Euro.

Ein weiteres Ärgernis: Für 1,9 Millionen Euro sollten neue Bäume den Park verschönern. Allerdings wurden diese offenbar falsch eingesetzt, schlecht gepflegt und unzureichend bewässert. Mehr als hundert sind bereits abgestorben, zahlreiche weitere müssen ebenfalls ersetzt werden. Laut Rechnungshof sind für den katastrophalen Zustand des Parks zwei Seiten verantwortlich: einerseits die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wegen „unterbliebener Mängelbeseitigung“, andererseits das Bezirksamt Treptow-Köpenick, das seit 2004 für die Pflege zuständig sei und „versäumt“ habe, „notwendige Prioritäten“ zu setzen. Vom Bezirk war gestern keine Auskunft zu erfahren, die Senatsverwaltung hat die „Anregung des Rechnungshofs interessiert aufgenommen“ und will mit dem Bezirksamt weitere Schritte besprechen. Immerhin: Es gibt bereits Konzepte, wie man den verwahrlosten Park retten könnte. Der wasserlose Bau „Himmelsspiegel“ etwa könnte mit Sand aufgefüllt und zum Beachvolleyball-Feld umfunktioniert werden. Aber dafür hätte es natürlich kein teures Betonbecken gebraucht.

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