Berlin : ÖDP vor der Wahl: Die Ökologischen Demokraten suchen Senatoren im Internet

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Uwe Dolata hat sich vorgenommen, dem Berliner Bären "einen Reißnagel in den dicken Hintern" zu rammen. Der Würzburger Kreistags-Abgeordnete ist Spitzenkandidat der Berliner Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) und will als zukünftiger Regierender den Korruptions-Sumpf der Hauptstadt trockenlegen. Dolata hat damit bereits einige Erfahrungen, er sagt, als Wirtschaftsexperte bei der Polizeidirektion Würzburg sei er ein bundesweit gefragter Mann, wenn es um Vorträge zum Thema Bestechlichkeit und Schmiergelder geht.

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In den letzten Wochen heißt sein Reiseziel immer öfter Berlin. In einer kleinen Wohnung nahe der Gedächtniskirche hat der Berliner Landesverband seine Zelte aufgeschlagen und koordiniert von dort aus die Auftritte ihres Spitzenkandidaten, der seit November letzten Jahres auch Bundesvorsitzender ist. Gerade einmal hundert Mitglieder haben die Ökodemokraten in der "Korruptions-Hauptstadt", dennoch ist es ihnen gelungen, ausreichend Kandidaten, darunter auch Nicht-Mitglieder, für eine Landesliste zusammen zu bekommen. Per Internet-Auftritt und auf Postkarten werden sogar Senatoren für den Fall der Fälle gesucht. Heiner Fauteck, Landesvorsitzender der ÖDP, legt Wert darauf, dass auch die unabhängigen Kandidaten auf der Grundlage des Parteiprogramms stehen. "Die etablierten Parteien haben verlernt, auf die Ängste der Bürger einzugehen", befindet Uwe Dolata und verweist auf den Erfolg der Hamburger Schill-Partei. Ohne sich dabei inhaltlich in deren Nähe rücken zu wollen.

Parlamentarische Erfolge kann die ÖDP vor allem in Bayern vorweisen. Über 200 kommunale Mandate hält sie dort und war maßgeblich an der Initiative beteiligt, die den Senat, eine Art Ständekammer des Freistaates, per Volksentscheid abschaffen ließ. Ansonsten sagt Dolata, sei die ÖDP eher eine "leise Partei", die es sich aber im Ernstfall nicht nehmen lasse, auf die Ursachen von politischen Missständen hinzuweisen und nicht bloß an den Symptomen zu kratzen. "Dem Verbrechen an den Puls, also den Geldhahn gehen", nennt er das.

Zur Politik kam der Hauptkommissar, als die "Republikaner" 1993 mit über 13 Prozent in den Würzburger Kreistag einzogen. "Damals stand für mich fest, dass Zivilcourage und Bürgerengagement nicht bei Lichterketten aufhören dürfen." So trat er in die ÖDP ein, um fortan den parlamentarischen Weg zu beschreiten. Dass ihn dieser vermutlich nicht in das Berliner Abgeordnetenhaus führen wird, ist ihm schon klar. Aber den Wahlkampf möchte er nutzen, um verstärkt auf sein Lieblingsthema, die Korruption eben, aufmerksam zu machen. Für die Bezirksverodnetenversammlung in Spandau kandidiert die ÖDP auch, den Bezirk nennt Dolata liebevoll "Mini-Bayern" und hier rechnet sich die Partei durchaus Chancen aus. Dennoch: Die Zentrale bleibt zunächst im Süden, denn einer "Briefkasten-Partei" will der Bürgermeister-Kandidat dann doch nicht vorstehen.

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