Berlin : Öffentlich gefördert: Die Kunst ist dem Land Berlin teuer

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Eine riesige Blattskulptur steht bereits am Zaun des Weißenseer Hinterhofs. Der nigerianische Künstler Emmanuel Eni schleppt Gipssäcke für ein Nachfolgewerk ins neue Atelierhaus Langhansstraße. Im Mai bezog Eni seine Werkräume in der ehemaligen Maschinenfabrik. Gemeinsam mit ihm arbeiten dort inzwischen neun weitere Maler und Bildhauer.

Das Atelierhaus ist ein wohnpolitisches Modellprojekt. Stadt und private Bauherren arbeiteten zusammen, um Arbeitsräume für Künstler zu schaffen. So nahm der Investor, die Düsseldorfer Baubetreungsgesellschaft Langenhans, bei der Sanierung Rücksicht auf die Wünsche der Künstler. Im Rahmen des Berliner Atelier-Sofortprogrammes verpflichtete sich der Bauherr außerdem, die Ateliers in den nächsten 20 Jahre an Künstler zu vermieten. Das Land Berlin finanzierte im Gegenzug einen großen Teil der rund zwei Millionen Mark Gesamtbausumme. Der Investor trug 60 Prozent der Kosten.

Auch bei den Mieten legt die Stadt etwas drauf. Zwischen sechs und acht Mark müssen die Künstler für den Quadratmeter Arbeitsfläche zahlen. Entstanden sind so in den vergangenen zwei Jahren neun helle Ateliers, im dritten Stock bezog eine Künstlerfamilie sogar eine eigene Wohnung. Langenhans-Geschäftsführer Klaus-Peter Bunse legte Wert auf das nach eigenen Worten "kunstgemäße Ambiente". Er verzichtete in allen Räume auf die von den Planern gewünschten Rauhfasertapete und ließ die unverputzen Wände weiß streichen.

Besondere Rücksicht nahm er außerdem auf die Bildhauer. Ihnen schuf er Freiarbeitsplätze im Skulpturengarten des Hinterhofes. Das Kunst-Quartier in der Langhansstraße ist das zweite Atelierhaus in Weißensee, das im Rahmen des Sofortprogrammes geschaffen wurde. Im vergangenen Jahr entstand bereits ein Atelierhaus mit 18 Wohnungen in der Bizetstraße. Unweit der Kunsthochschule sollen weitere Projekte folgen.

Atelierbeauftragter Florian Schöttle plant derzeit zwei weitere Häuser in der Max-Steinke-Straße. Ein Gebäude soll dabei ausschließlich für Arbeiten von südosteuropäischen und deutschen Künstlern reserviert sein. Doch auch mit diesen Häusern wird Schöttle der Nachfrage nicht gerecht werden. 1600 Künstler bewerben sich derzeit beim Berufsverband bildender Künstler (BBK) um bezahlbare Arbeitsräume. Die meisten Anträge wird die Vergabekommission also ablehnen müssen.

Lediglich 243 Arbeitsräume werden bislang im Ateliersofortprogramm gefördert. Im nächsten Jahr könnte die Konkurrenz um die Räume sogar noch größer werden. 120 000 Mark sollen im Rahmen des Haushaltsstrukturgesetzes an den öffentlich geförderten Ateliers gespart werden. "Das wären 20 Ateliers und damit 20 Künstlerexistenzen, die dann bedroht wären", sagt Schöttle.

Der Vorsitzende des BBK, Herbert Mondry, ist deshalb verärgert. "Das sind minimale Einsparungen, aber maximale Folgeschäden", sagt er. "Werden im kommenden Jahr 20 Förderverträge gelöst, sind das doppelt so viele, wie hier in der Langhansstraße geschaffen wurden."

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