Öffentliche Toiletten in Berlin : Lasst mich müssen können!

Die Silvesterparty ist vorbei, die portablen Toiletten rund um das Brandenburger Tor sind abtransportiert. Zurück bleibt eine Stadt, die Bewohnern und Gästen im öffentlichen Raum kaum Möglichkeiten bietet, mal schnell auszutreten. Es ist Zeit für eine neue Kultur urinaler Gastlichkeit!

Es geht doch! Hier zumindest. Doch nicht überall in der Stadt gibt es eine derartige Infrastruktur wie hier in Mitte.
Es geht doch! Hier zumindest. Doch nicht überall in der Stadt gibt es eine derartige Infrastruktur wie hier in Mitte.Foto: dpa

Die Natur rief an diesem Dezembermorgen auf dem Britzer Damm, sie rief heftig und laut und plötzlich. Sie musste das wohl tun, nachdem ein am Abend zuvor mit einer großen Menge Bier erarbeiteter Kater nach dem Aufstehen mit einer großen Menge Wasser neutralisiert und das Gemisch hernach acht Kilometer auf dem Fahrrad durch die Gegend geschaukelt worden war. Kurzum: Es wurde, Kilometer vor dem Ziel, gemusst – und zwar dringend!

Was macht der zivilisierte Stadtbewohner da? Einfach dem nächstgelegenen Gebrauchtwagenhandel ans Flatterband pieseln? I wo! Den örtlichen Einzelhandel behelligen? Da muss die Not schon sehr groß sein, um sich im Moment des Überlaufens auf „Kundentoilette hamwa nich“-Gespräche mit Drogeriekettenfachangestellten einzulassen. Mit letzter Kraft wurde also das Smartphone gezückt und „City-Toilette Berlin“ eingegeben. Die Enttäuschung über das Ergebnis überwog dann kurzzeitig sogar den Harndrang: Dass das offizielle Stadtportal berlin.de einen Notbedürftigen aus der Ortsmitte 700 Meter weit zu einer U-Bahn-Station am äußerem Rand von Britz leitet, ist selbst auf dem Rad herausfordernd!

Die „Tour de Toilette“ durch Berlin
Treffpunkt ist das "Café Achteck" auf dem Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte.Alle Bilder anzeigen
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20.10.2014 17:38Treffpunkt ist das "Café Achteck" auf dem Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte.

Daran war zu denken, als die Gespräche in der Silvesternacht in diesem Jahr einmal nicht nur um die enthemmt böllernden Jugendlichen vor dem Haus kreisten, sondern auch um jene wachsende und um Neujahr herum besonders augenfällige Zahl an Partytouristen aus aller Welt und ihren oft unkontrollierten Harndrang. „Da kann man den kompletten Tiergarten mit Dixiklos zustellen“, hieß es vonseiten einiger eher zweifelhafter Partygäste, „der Brite pinkelt auf seinen Reisen ja doch überallhin“. Dem war nun aber vehement zu widersprechen: Denn erstens gibt es „den Briten“ genauso wenig wie „den Deutschen“. „Und zweitens ist doch gerade Großbritannien ein Hort des Friedens und der Freude für Harndranggeplagte!“

Die Not mit dem Geschäft am Hauptbahnhof

Die schönsten stillen Örtchen

Der Klo? Die Klo? Das Klo!

Anna Haase bietet die "Tour de Toilette" an. Sie arbeitet seit 18 Jahren als diplomierte Stadtführerin und hat auch schon selbst als Klofrau gearbeitet.

Denn auch daran ist zu denken: Besucht man beispielsweise „den Briten“ auf seiner eigenen Insel, ist man begeistert von den Möglichkeiten, loszuwerden, was beizeiten loszuwerden ist. London ist bis in die Randbezirke ein Mekka gut ausgeschilderter Urinale. Und auch auf dem abgelegensten Wanderparkplatz in Cornwall gibt es – nicht immer, aber doch oft – ein Herzhäuschen, gerne auch in akzeptablem hygienischen Zustand!

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