Öffentlicher Dienst : Jobs in der Verwaltung sollen attraktiver werden

Traumberuf öffentlicher Dienst? Für junge Menschen ist das schon lange nicht mehr so. Dabei herrscht mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren in der Berliner Verwaltung dringend Bedarf an jungen Nachfolgern.

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Das Warten hat ein Ende. Gegen die Personalnot in Bürger- und Finanzämtern will der Senat vorgehen – hier beweist Kundschaft im Rathaus an der Otto-Suhr-Allee Geduld. Foto: Rückeis
Das Warten hat ein Ende. Gegen die Personalnot in Bürger- und Finanzämtern will der Senat vorgehen – hier beweist Kundschaft im...

Der Senat will die Berliner Verwaltung vor dem Aussterben retten. Der öffentliche Dienst soll attraktiver werden, und es ist geplant, mehr junge Menschen als bisher auszubilden, die in den Senats- und Bezirksbehörden bald dringend gebraucht werden. Denn jährlich scheiden rund 3500 Beamte und Angestellte altersbedingt aus dem Landesdienst aus. Darunter viele Fachkräfte, die schwer ersetzbar sind. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) kündigte am Dienstag ein Konzept für die Personalentwicklung an. Dafür wird zusätzliches Geld zur Verfügung gestellt.

Die Einsicht kommt spät, denn Gewerkschaften, Industrie- und Handelskammer, Wissenschaftler und Oppositionsparteien warnen seit Jahren vor einem „demografischen Schock“ in der Berliner Verwaltung, deren Altersdurchschnitt inzwischen bei 50 Jahren liegt. Seit der Wende wurde die Zahl der Mitarbeiter fast halbiert: Von 207 150 im Jahr 1990 auf 105 130 Vollzeitstellen, Stand heute. Außerdem mussten die Beschäftigten zeitweise empfindliche Gehaltseinbußen hinnehmen. Bürger- und Finanzämter, aber auch andere kundennahe Behörden brachte der beinharte Sparkurs an den Rand des Zusammenbruchs.

Ein Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst ist längst kein Traumberuf mehr. Zwar stehen jährlich 111 Millionen Euro für 8700 Ausbildungsplätze zur Verfügung, aber das reicht nicht aus. Deshalb will Nußbaum im Haushalt 2014/15, der in Vorbereitung ist, einen zweistelligen Millionenbetrag zusätzlich zur Verfügung stellen. Denn jede Ausbildung dauert zwei, drei Jahre. „Nur so kann es gelingen, ab 2017 jedes Jahr etwa 4000 neue, junge Arbeitnehmer für die Berliner Verwaltung zu gewinnen.“

Um nicht ins Blaue auszubilden, müssen alle Senatsbehörden ihren Personalbedarf detailliert ermitteln. Wie viele Hilfskräfte werden ab wann gebraucht? Oder Planer und Ingenieure? Mit den Bezirken gibt es, mit Ausnahme von Treptow-Köpenick, schon eine Vereinbarung. Sie müssen noch 1754 Stellen abbauen, um auf insgesamt 20 000 zu kommen. Wenn das geschafft ist, dürfen die Bezirksämter eigenverantwortlich neues Personal einstellen. Die Senatsverwaltungen müssen ihren Stellenbestand zunächst noch auf 80 000 reduzieren. Ab 2017 soll dann der Gesamtbestand von 100 000 Vollzeitstellen in der Berliner Verwaltung dauerhaft erhalten bleiben.

Nußbaum weiß auch, dass das nur funktioniert, „wenn die Verwaltung attraktiver wird“. Angesichts des allgemeinen Fachkräftemangels steht das Land Berlin in harter Konkurrenz mit privaten Unternehmen, aber auch mit anderen Ländern und dem Bund. Das ist auch der Grund, warum der Senat die relativ niedrigen Gehälter im öffentlichen Dienst bis spätestens 2018 ans Bundesniveau angleichen will. Der Finanzsenator sagte dies am Dienstag auch für die Beamten zu. Darüber hinaus müsse die Landesverwaltung modernisiert werden und bei der Vereinbarung von Familie und Beruf mit gutem Beispiel vorangehen.

Auf eine Abwerbung frisch ausgebildeter Fachkräfte aus anderen Bundesländern wolle der Senat verzichten, sagte Nußbaum. Neben der angekündigten Ausbildungsoffensive müsse sich jede Behörde eigene Gedanken machen, wie sie an Personal kommt. Eine Möglichkeit sei, an den Universitäten für interessante Berufe im öffentlichen Dienst zu werben. In einer Klausurtagung im März will der Senat weiter über die dringend notwendige Personalentwicklung diskutieren. Die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus wollte sich mit dem Thema auf ihrer Jahresklausur am Wochenende an die Spitze der Bewegung setzen. Mit seinen Ankündigungen ist der Finanzsenator den Genossen nun erst einmal zuvorgekommen.

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