Berlin : Öffentlicher Nahverkehr: Die BVG hat ein neues Sicherheitsproblem

Klaus Kurpjuweit

Was wie ein Anschlag aussah, war ein technischer Defekt. Ein Achsenbruch war am Sonnabend Grund für die Entgleisung einer U-Bahn am Bahnhof Potsdamer Platz. Damit steht die BVG erneut vor einem Sicherheitsproblem.

Die Wagen der betroffenen Baureihe bleiben in Betrieb. Nach zwei Bränden innerhalb eines Jahres hatte die BVG dagegen alle 102 Wagen der Reihe "Gisela" aus dem Verkehr gezogen. Die Bahn AG legte nach ähnlichen Defekten sogar ihre ICE-Flotte bis zum Abschluss aller Prüfungen still. Bei der BVG würde der Verkehr bei einer solchen Maßnahme jedoch zusammenbrechen. Nach ersten Erkenntnissen ist der Achsenbruch nach Angaben von BVG-Sprecherin Barbara Mansfield auf einen Materialfehler zurückzuführen; eine Materialermüdung an dem 1967 gebauten Wagen sei auszuschließen. Nach der Ursache wird jetzt zusammen mit der Bundesanstalt für Materialprüfung gesucht. Der Unglückswagen, sagt Mansfield, sei vor zwei Monaten gründlichst geprüft worden. Dabei hätten die Techniker keinen Defekt festgestellt. Eine Gefährdung der Fahrgäste durch den weiteren Betrieb der Wagen der betroffenen Baureihe sieht die BVG nicht. Ein Großteil der Wagen für die Linien 1 bis 4 auf dem so genannten Kleinprofilnetz ist inzwischen 30 oder sogar 40 Jahre alt. Aus Kostengründen bleiben die Fahrzeuge länger in Betrieb. Derzeit läuft ein Programm zur Aufarbeitung älterer Wagen. Den Kauf neuer Züge hat die BVG gestoppt. Geordert waren für das Kleinprofilnetz 25 neue Züge zu je vier Wagen, die durchgängig begehbar sind. Abgenommen hat der Betrieb am Ende aber nur vier Züge. Damit reagierte der Verkehrsbetrieb auf die Politik des Senats, der dem Unternehmen seit Jahren die Zuschüsse kürzt. Nach dem Unternehmensvertrag ist dies auch in Zukunft vorgesehen.

Weil nach der Entgleisung "Steinmehl" auf den Schienen gefunden worden war, hatten BVG und Polizei, wie berichtet, vermutet, dass Unbekannte unter dem abgestellten Fahrzeug Steine auf die Gleise gelegt hatten, die das Drehgestell aus den Schienen springen ließen. Der Verdacht erhärtete sich, nachdem die Mitarbeiter in der Nähe der Abstellanlage eine offene Tür zum Tunnel entdeckten. Jetzt nimmt die Polizei an, dass die Steine nach der Entgleisung hochgewirbelt und dann zermalmt worden sind. Die Ermittlungen gegen Unbekannt wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Schienenverkehr wurden eingestellt.

Probleme hat die BVG auch am Hochbahnviadukt beim Bahnhof Bülowstraße der U 2. Dort muss sie die Anlage mit einem Stahlpfeiler stützen, weil der alte Pfeiler Risse hat. Eine Gefahr für den Betrieb bestehe auch hier nicht, versicherte Mansfield. Der Pfeiler solle noch in diesem Jahr repariert werden. Dieser Abschnitt war vor der Wiederinbetriebnahme 1993 nicht erneuert worden.

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