Berlin : Öfter aufstehen, schneller fertig

Für das Abitur nach Klasse 12 müssten Berliner Schüler auch sonnabends zum Unterricht kommen. Pro&Contra

Susanne Vieth-Entus

Los ging die Woche mit Protesten gegen die Abiturverkürzung auf zwölfdreiviertel Jahre, geendet ist sie mit der Debatte um die Wiedereinführung des Samstagsunterrichts. Zwei Änderungen, die eng zusammenhängen: Seit Jahren liebäugelt Berlin mit einem Abitur nach zwölf Jahren, scheiterte aber immer an der Kultusministerkonferenz. Dann kam das Pisa-Desaster und die Bereitschaft zu Veränderungen wuchs. Das neue Signal heißt: Berlin darf das Abitur radikal verkürzen, solange es den Schülern weiterhin 265 Wochenstunden ab Klasse 5 bietet. Diese Stundenzahl ist nur unterzubringen, wenn Schulen den Unterricht entweder auf den Nachmittag oder auf den Sonnabend ausdehnen. Sechs Tage Unterricht gibt es kaum noch in Berlin – eine der letzten Schulen ist das Goethe-Gymnasium. Vergangenes Jahr warf das Canisius-Kolleg das Handtuch, weil 60 Prozent der Lehrer den schulfreien Sonnabend wollten. Da half es auch nichts, dass eine knapp Mehrheit der Schüler und eine große Mehrheit der Eltern den Schulsonnabend behalten wollten. Da war der Samstagsunterricht längst auch organisatorisch zu einem Ärgernis geworden: Klassenarbeiten konnten nicht geschrieben werden, weil viele Eltern ihre Kinder für Familienaktivitäten beurlaubten. Zudem fand der Unterricht ohnehin nur noch jeden zweiten Sonnabend statt, was wiederum den Schulrhythmus störte. Aus dieser Erfahrung steht für Schulleiter Pater Mertes fest: wenn sonnabends Unterricht, dann an jedem.

Die Diskussion hat gerade erst begonnen. Noch gibt es nicht einmal einen offiziellen Regierungsbeschluss zum Express-Abitur. Jetzt drängt die Zeit, denn Bildungssenator Klaus Böger (SPD) möchte die radikale Abiturverkürzung zusammen mit dem neuen Schulgesetz im Juni ins Parlament einbringen. Frühestens die jetzigen Fünftklässler, die 2004/05 in die siebte Klasse kommen, könnten vom verkürzten Abitur profitieren. Bis dahin muss entschieden werden, auf welche Weise das Unterrichtsvolumen des 13. Schuljahres in der Mittelstufe untergebracht wird: sonnabends oder durch die Ganztagsschule.

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