Berlin : Ökoladen mit Showküche

Berlins Biomärkte werden größer. Mit der Verkaufsfläche wachsen auch die Zusatzangebote für Kunden

Matthias Oloew

Jutetasche und Wollpullover, das war gestern. Heute unterscheidet sich ein Bioladen kaum von einem konventionellen Geschäft. Das gilt für die Kundschaft wie für den Umsatz: 3,1 Milliarden Euro wurden 2003 deutschlandweit für biologische Lebensmittel ausgegeben, so das Bundesernährungsministerium. Branchenkenner schätzen, dass sich der Umsatz in Bio-Supermärkten bis 2007 auf 600 Millionen Euro verdreifachen wird.

Das hat Auswirkungen auf das Konzept der Geschäfte. Immer mehr Bioläden fallen dadurch auf, dass sie sich durch eine aufwändige Architektur oder ein ungewöhnliches Ambiente von der Konkurrenz abheben. Jüngstes Beispiel ist Biolüske in der Drakestraße in Lichterfelde. In dem Supermarkt hat jetzt eine Showküche eröffnet. Nach Ladenschluss gibt es Kochkurse, das zubereitete Essen darf gleich gekostet werden. Der Küchenhersteller Gaggenau stellt dafür Öfen, Herde und Kühlschränke zur Verfügung.

In dem ehemaligen Kino aus den 50er Jahren ist schon lange kein Film mehr gelaufen. Bevor der 35-jährige Frank Lüske den Bau übernahm, hatten bereits zwei Discounter hier Lebensmittel verkauft. Sie waren an der Kino-Architektur jedoch nicht interessiert und ließen die Decke abhängen. Das kam für Lüske und seine Architekten vom Kreuzberger Büro Kleyer und Koblitz nicht infrage. Sie rissen die Decken heraus und legten den alten Zuschauerbalkon des Kinos sowie Reste der Leinwand und originale Wandlampen im 50er-Jahre-Stil frei.

Den Zuschauerbalkon des ehemaligen Kinos konnte Lüske nicht als Verkaufsfläche für den Supermarkt nutzen. Jetzt wird hier oben mit Blick auf die Warenregale und die Fleisch- und Käsetheke gekocht. Lüske bietet Kurse für Kinder wie Erwachsene und vermietet die Showküche für Familienfeiern und Büropartys.

Kochen für und mit den Kunden ist auch Thema in der LPG (steht für „lecker, preiswert, gesund“) am Kreuzberger Mehringdamm. Am 26. November (ab 18 Uhr, Eintritt frei) wird Fernsehkoch Ralph Zacherl zusammen mit dem Brandenburger Landwirtschaftsminister Dietmar Woidke Gerichte aus der märkischen Küche zubereiten. Genau ein Jahr ist es her, dass die LPG von ihrem Hinterhofdomizil am Mehringdamm in die teils denkmalgeschützte Anlage an der Ecke Obentrautstraße gezogen ist. Die Verkaufsfläche in der ehemaligen Tankstelle hat sich mit 1200 Quadratmetern mehr als verdoppelt. Der Umsatz auch. Als die Berliner Kette „Wand und Boden“ hier noch Teppiche und Tapeten verkaufte, fielen keinem Kunden die gusseisernen Säulen und das Tonnen-Kreuzgewölbe auf. Ursprünglich befanden sich hier die Pferdeställe des Dragoner-Regiments. Mit dem Laden haben die LPG-Geschäftsführer Ludwig Rieswick und Werner Schauerte versucht, „die Kunden dort abzuholen wo sie sind“, sagt Rieswick – beim Einkaufen .

Traditionalisten unter den Bio-Kunden schwören nach wie vor auf die Wochenmärkte mit ihrem ganz eigenen Charme. Oft sind sie, wie etwa der sonnabendliche Markt am Chamissoplatz in Kreuzberg nicht nur eine Gelegenheit zum Einkaufen, sondern auch ein echter Kieztreff.

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