Berlin : Ökumene auf der Schulhoftreppe

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Cola, Chips, Kekse – Nervennahrung für die nächste lange Nacht. Isabella Wache sitzt im Eingang des Steglitzer Gymnasiums und wartet die auf die Rückkehr der Kirchentagsgäste. 268 Christen haben in dem alten Backsteinbau in der Heesestraße ihre Schlafsäcke ausgerollt. Die letzten werden erst weit nach Mitternacht aus der SBahn steigen. Frau Wache wird die Schule erst spät schließen.

Christopher Kühnast ist schon da. Aufgekratzt, kribbelig und begeistert. Der Kirchentag – das ist für den 16-jährigen Messdiener vor allem „S-Bahn, unheimlich viel S-Bahn fahren“. Eine große Klassenfahrt und ein Abenteuer. In dem Aufenthaltsraum der Schule hat er mit 29 anderen Jugendlichen aus Dortmund-Aplerbeck sein Lager aufgeschlagen. Schlafsack reiht sich an Schlafsack, vor den mit Graffiti besprühten Wänden stehen leere Bier- und halbleere Sonnenmilchflaschen. Durch das geöffnete Erdgeschossfenster klettern die Jugendlichen in den Schulhof. Bis zum frühen Morgen, erzählt Christopher, hätten sie vergangene Nacht dort gesessen und palavert.

Während Christopher darauf wartet, dass auch der Rest seines Trupps zurückkommt, haben es sich die Betreuer der evangelisch-katholischen Gruppe auf den Schulhoftreppen gemütlich gemacht. Sie reichen Kuchen herum und eine Flasche Rotwein vom Türken um die Ecke. „Die eigentliche Ökumene“, nennt das der katholische Priester Markus Menke, der sich jeden Abend mit seinen evangelischen Kolleginnen dort trifft. Bislang sahen sie sich nur alle paar Monate – beim ökumenischen Dienstgespräch. „Jetzt reden wir hier über das Abendmahl, den letzten ,Tatort‘ und das, was uns bewegt“, sagt Menke. „Der Ökumene zu Hause wird das gut tun.“ frh

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