Berlin : Ölgeruch im Parkett

Das Alliiertenmuseum hat jetzt einen ungewöhnlichen Kinosaal: Im Rosinenbomber werden historische Filme zur Luftbrücke gezeigt

Christian Hönicke

An der Kabinenwand sind die Halterungen für die Fallschirme zu sehen, auch die Sauerstoffgeräte hängen noch. Sogar der Ölgeruch ist noch da. Das soll auch so bleiben. Alles soll so authentisch wie möglich sein, wenn am 6. April die ersten Neugierigen das Flugzeug vom Typ Hastings TG 503 betreten. Bisher war es auf dem Gelände des Alliiertenmuseums nur von außen zu bestaunen.

Bald darf man also auch rein – und sich gleich fühlen wie ein Pilot. Denn das Interieur der viermotorigen Propellermaschine wurde zu einem Kino umfunktioniert. Auf einer Leinwand vor dem Cockpit können geneigte Besucher künftig historische Filmaufnahmen der Luftbrücke von 1948/49 sehen, bei der die eingeschlossenen West-Berliner mit dem Lebensnotwendigen versorgt wurden. Um den Gästen eine Nackenstarre zu ersparen, wurde das fast 60 Jahre alte Flugzeug aufgebockt und in die Waagerechte gebracht. Heute wird das neue Filmmuseum der Öffentlichkeit präsentiert.

Dann bietet sich auch die Möglichkeit, den englischen Squadron Leader K. R. Jackson zur Vergangenheit der Maschine zu befragen, die während der Luftbrücke zum Einsatz kam. Der inzwischen 79- jährige Pilot flog sie dabei zwar nicht, brachte sie aber 1978 auf ihrem letzten Flug von Scampton in England zum Militärflughafen in Gatow – zum 30. Jahrestag der Luftbrücke. Beim Abzug der Alliierten aus Berlin 1994 wurde das Flugzeug als Geschenk zurückgelassen, drei Jahre später auseinander gebaut und per Helikopter zum Alliiertenmuseum transportiert. Jackson erinnert sich noch gut an die Ankunft in Gatow nach dem Flug über das Gebiet der ehemaligen DDR: „Das war ein sehr emotionaler Moment, und es war schön, Berlin mal wieder zu sehen.“

Auch die Hastings, von der es weltweit nur noch vier Exemplare gibt, hat er nicht vergessen. Er findet es „wundervoll“, dass sie jetzt ein Kino wird. „Ich habe ja über 5000 Flugstunden in diesem Flugzeugtyp verbracht.“ Besucher haben jetzt 30 Minuten, um das Innenleben der Maschine in Begleitung einer Aufsichtsperson zu erkunden. Weil das Flugzeug kein normaler Ausstellungsraum ist, dürfen Gruppen nur nach Absprache (Tel. 8181990) hinein. Eine Gruppenkarte (unbegrenzte Personenzahl) kostet 35, inklusive Museumsbesuch 50 Euro. Außerdem gibt es bis 1. Juli probeweise Einzeltickets für 2 Euro, aber nur an Sonntagen von 14 bis 17 Uhr.

Zunächst werden in den fünfzehnminütigen Filmen per Beamer vor allem Luftaufnahmen von Berlin zur Zeit der Luftbrücke gezeigt. Später soll noch mehr dazu- kommen, wenn das vorhandene Filmmaterial gesichtet und ausgewertet ist. Der Ölgeruch gehört von Beginn an zum Service.

Alliiertenmuseum, Zehlendorf, Clayallee 135, täglich außer mittwochs 10 bis 18 Uhr.

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