Berlin : Ölpreise: Der Heizölschock wird schlimmer als der Benzinschock

Hans Toeppen

Jetzt hilft nur noch eins. Warm anziehen. Noch konzentrieren sich alle auf den steigenden Benzinpreis. Doch gestern ist der Heizölpreis in der Stadt noch einmal um fünf bis sechs Mark pro 100 Liter in die Höhe gegangen und hat ein neues historisches Rekordniveau erreicht. Der lebenswichtige Heizstoff ist damit fast dreimal so teuer wie vor zwei Jahren. Die Heizkosten werden geradezu explodieren. Wer Mieter in der Stadt ist, muss sich jetzt klar machen, dass seine Nebenkosten auf das Zwei- bis Dreifache steigen könnten. Der nächste Berliner Winter wird der teuerste seit Jahrzehnten werden.

Schon im Juni hatte die Firma Wärme Gmbh für den Tagesspiegel ausgerechnet, dass die Heizkosten einer 60-Quadratmeter-Wohnung allein in diesem Frühjahr auf eine Verdoppelung zuliefen: von 66 Mark auf 105,60. Der dramatische Anstieg der Ölpreise und anschließend auch der Gaspreise hat sich danach aber erst richtig beschleunigt. Nach Angaben des Hamburger Erdöl-Informationsdienstes ist jetzt ein historisches Hoch erreicht. Der Großteil der autofahrenden Bevölkerung, der auf die Benzin- und Dieselpreise fixiert ist wie das Kaninchen auf die Schlange, scheint sich aber immer noch nicht klar zu machen, was die Winterkälte für sein Portemonnaie bedeutet: Gewaltig steigende Ausgaben.

Ein Beispiel für das Häuschen im Grünen: Nach Berechnung des Berliner Ölpreis-Experten Dieter Mäder haben 3000 Liter im September 1998 noch rund 1250 DM gekostet. Im vorigen Herbst waren es schon 1850 DM. Und zur Zeit sind es 3300 DM, fast das Dreifache. Die Ökosteuer hat damit so gut wie nichts zu tun. Nach Auskunft von Esso in Hamburg treiben vor allem der starke Dollar und die starke Nachfrage die Preise, "die Lager sind so wenig gefüllt wie noch nie". Und auf der Nordhalbkugel fängt in Kürze der Winter an. Da bekommen es manche Kunden mit der Angst. "Auf dem amerikanischen Markt kaufen sie alles, egal was es kostet", sagt der Berliner Ölhändler Peter Engelke.

Engelke ist Vorsitzender den Mitteldeutschen Brennstoffhandelsverbandes und empfiehlt inzwischen: "Möglichst wenig kaufen, dann ersparen wir uns das Rationieren." Vor ein paar Tagen waren die Vorräte noch so knapp, dass er nur an Stammkunden verkauft hat. Angesichts des letzten Preisschubs hat die Nachfrage gestern aber nachgelassen. Selbst bei Abnahme von 15 000 Litern ist der Liter in Berlin längst nicht mehr unter einer Mark zu haben. Bundesweit gibt es aber Unterschiede. Das Institut für wirtschaftliche Ölheizung in Hamburg meldete gestern Preise von 95 Pfennig in Rostock und 1,18 DM in München.

Die Aussichten sind düster. "Die Ware ist weiter äußerst knapp", sagt Engelke, die Berliner Vorräte reichten nur für ein bis zwei Tage, und "viele Leute müssen bis Ende November noch unbedingt tanken". Energie-Spartipps bekommen wieder Konjunktur. Ein Grad weniger in der Wohnung spart bis zu sechs Prozent Energie. Und Energie ist nichts anderes als Geld.

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