ÖPNV : Grün sieht rot

Drei tödliche Tramunfälle in Berlin gab es dieses Jahr bereits. Deshalb warnen jetzt Polizisten die Passanten und geben Tipps zum richtigen Verhalten.

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BVG und Polizei geben Tipps zum sicheren Umgang mit der Tram. -Foto: Thilo Rückeis

Ein Mädchen, versunken ins Handy-Gespräch, stöckelt über das Geröll am Bahnsteigende. Mit dem nächsten Schritt würde sie das Gleisbett erreichen, da zieht die Polizistin sie zurück. Wieder einen Menschen vor einem Schritt vor die nahende Straßenbahn gerettet! Aber das Mädchen reagiert gereizt. „Ich hätte schon noch geguckt.“ Jetzt muss sie den ganzen Bahnsteig entlang gehen, um auf die andere Seite zu kommen.

Das Präventionsteam der Polizeidirektion 1 unterwegs in aufklärerischer Mission am S-Bahnhof Greifswalder Straße. Menschen sollen vor den Gefahren der leisen Tram gewarnt werden. Erst vor wenigen Wochen wurde eine junge Frau hier getötet, als sie eine Abkürzung über die Gleise nehmen wollte. Drei Menschen sind bereits in diesem Jahr bei Unfällen mit der Straßenbahn getötet worden. Die Polizei fordert deshalb, die Bahnen auffälliger zu machen, zum Beispiel durch eine grelle Lackierung. Auch stärkere Scheinwerfer, die auch am Tage eingeschaltet werden, könnten helfen, hieß es. Das sei billiger, als die Strecken einzuzäunen, um das Überqueren der Gleise an anderen als den vorgesehen Stellen zu erschweren. Denn das ist offenbar ziemlich üblich.

Morgens, erzählt Polizeikommissar Jacobi, stürzten ganze Horden aus dem S-Bahnhof quer über die Tramgleise, um zwei Minuten Zeit zu sparen. Während er spricht, klettert ein kahlköpfiger Lederjackenmann über die Absperrung zur Fahrbahn. Auch Jacobi hat heute schon ein Menschenleben gerettet. Doch sein beherzter Haltegriff hätte ihm fast eine Anzeige wegen Körperverletzung im Amt eingehandelt. Die junge Rucksackträgerin wollte nämlich nicht beim Übertreten der Verkehrsregeln gestört werden. „Habt ihr sonst nichts zu tun?“

Jacobi und die anderen Präventionsbeamten verteilen Flugblätter mit vielen Ausrufezeichen drauf. „Seien Sie auch Kindern ein Vorbild!“ Ganz unten dann: „Vorsicht + Rücksicht = Sicherheit.“ Zwei Leute von der BVG haben eigene Flyer mitgebracht, „Schon etwas älter, aber gut.“ Der Slogan „Nur bei Grün“ ist in Rot-Gelb-Grün gefärbt. Mal sehen, ob das bald Wirkung zeigt.

Ausgedacht hat sich die Aktion Uwe Karck von der „Verkehrsunfallprävention“. 19 Beamte sind im Einsatz, zwei Tage lang. Dazu noch die BVG-Leute. Im Kampf gegen die leisen und offenbar für viele nicht genügend sichtbaren Straßenbahnen darf man nicht kleinlich sein. (loy)

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