ÖPNV : Immer mehr Berliner fahren Bahn

Über die steigenden Spritpreise wird sich vielerorts schwarz geärgert. BVG und S-Bahn jedoch freuen sich über schwarze Zahlen. Die Berliner lassen vermehrt ihre Autos stehen und steigen auf den öffentlichen Nahverkehr um.

Die Bilanz der S-Bahn Berlin GmbH fällt in diesem Jahr positiv aus: Mehr Fahrgäste, mehr Abo-Kunden, mehr Einnahmen. Das Unternehmen beförderte von Januar bis Juli 2008 mehr als 220 Millionen Fahrgäste, neun Millionen mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das Unternehmen strebt nun einen neuen Jahresrekord an. Im vergangenen Jahr nutzten fast 320 Millionen Fahrgäste die S-Bahn.

Auch die BVG zieht positive Bilanz

Die Grund für die guten Zahlen ist so einfach wie plausibel: Steigende Kraftstoffpreise. Immer mehr Berliner lassen das Auto vor der Wohnungstür und nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel. Als weitere Ursache gab das Unternehmen den Streik der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) an. Seitdem vor allem viele Berufstätige von Bussen und Bahnen der BVG auf die Züge der S-Bahn umsteigen mussten, seien sie treu geblieben, meint ein Sprecher des Unternehmens. Allerdings ist nicht bekannt, wieviele Kunden die BVG seit dem Streik verloren hat.

Die BVG verzeichnet unterdessen einen enormen Stammkundenzuwachs. Bis zum Juli schlossen 20.000 Berliner ein Abonnement ab, insgesamt nutzen 212.000 Berliner die Vorzüge eines Fahrkartenabos. Auch die S-Bahn zählt mehr Abonnenten als noch im Vorjahr: 13.000 Jahreskarten hat das Unternehmen an den Mann gebracht. Vor allem Bewohner des Berliner Umlandes steigen laut S-Bahn vermehrt auf den Zug um.

Züge sind teilweise überfüllt

Einen Wermutstropfen gibt es trotzdem: Angesichts des Runs auf den Nahverkehr sind die Züge zu den Hauptverkehrszeiten voller. Oftmals setzt die S-Bahn nicht alle zur Verfügung stehenden Wagen ein, so dass beispielsweise die Ringbahn teilweise überfüllt ist. Im Herbst steht die nächste Fahrgastzählung an, danach will das Unternehmen entscheiden, wie viele Wagen die Linien in Zukunft bekommen.

An der Fahrradmitnahme will die S-Bahn trotz Beschwerden über Platzmangel und versperrte Türen festhalten. Um auf die Kunden Rücksicht zu nehmen, die ohne ihr Vehikel unterwegs sind, plane man in den kommenden Wochen einen verstärkten Einsatz von Wagen mit ausreichendem Platz für Fahrräder. Dafür werden in den vorhandenen Mehrzweckbereichen die Sitze ausgebaut. (nal)

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