Berlin : Österreichische Botschaft: Die Stühle des Botschafters passen zum Tiergarten

C.v.L.

"Sind das wirklich meine Stühle?", fragte Markus Lutterotti und blickte erstaunt auf die schmalen giftgrünen Ledersessel, die am Rande seines Büros um ein Tischchen gruppiert waren. Beim Rundgang durch die neue Vertretung, die heute eröffnet wird, konnte der österreichische Botschafter gestern zum ersten Mal das Mobiliar seines Arbeitsplatzes betrachten; und der Diplomat fand beim Blick aus dem großen Fenster, dass die Farbe der Sessel gut zum Tiergarten gegenüber passt, Vitalität und Optimismus ausstrahlt.

Hans Hollein, der Architekt, strahlte auch, weil er offenbar den Geschmack getroffen hatte. Er wies auf dieses und jenes Extra des großen und hohen Büros, etwa auf ein Bullauge in der Wand, oder auf die Galerie, auf die sich der Botschafter zurückziehen kann, wenn er in Ruhe Fernsehen oder im Internet surfen möchte. Aber Ruhe kann der Diplomat auch zwei Stockwerke höher genießen, in seinen privaten Räumen, denn zur Botschaft gehört die Residenz. Bei der Besichtigung wurde sie respektvoll nur am Rand gestreift: Ein kurzer Blick in die kleine Sauna aber durfte gestattet sein, auch ein langer Blick vom Wintergarten in den Hof, auf dem gerade der Rasenteppich verlegt wird. So schön der Botschafterblick nach vorn heraus in den Tiergarten ist, so begrenzt ist die Weitsicht nach hinten: In 80 Metern entsteht die ägyptische Botschaft, dazwischen ist noch Bauland für eine weitere Botschaft, und rechterhand glänzt der längst fertige weiße Block der Landesvertretung von Baden-Württemberg. Neben ihr steht der rote Block der Inder. Hans Hollein will die Nachbarschaft nicht kommentieren. Als er 1996 mit der Planung begann, gab es ringsum keine Botschaften, und er hatte vom Senat die Vorgabe, auf den "Villencharakter" im Grünen Rücksicht zu nehmen. Nun steht der Neubau als "Eingang zum Diplomatenviertel" an der Ecke Tiergarten- und Stauffenbergstraße, und Hollein glaubt, dass er die Vorgabe eingehalten hat. Aber er sieht weit und breit keine villenähnlichen Bauwerke.

Aus Rücksicht auf die Eröffnungsfeier wurden die Räume noch nicht komplett möbliert. Außerdem sind noch etliche Bauarbeiter im Haus, und es riecht streng nach Farbe. "Besiedelt wird das Haus in den nächsten Tagen", sagt der Botschafter. Er verspricht, dass es neben Vorträgen und Ausstellungen einen Tag der offenen Tür geben wird, wie er ja fast schon zum guten Ton einer neuen Botschaft in Berlin gehört. Das Wann ist noch unklar. "Weniger Amt, mehr Offenheit, Gastlichkeit, Würde und Eleganz" soll die Botschaft vermitteln, und das nicht nur den fast 12 000 Landsleuten in der Stadt.

Erst müssen sich nun 80 Mitarbeiter des diplomatischen Dienstes an ihre Botschaft gewöhnen, sich in ihr einrichten, diesen Bau mit seinen Schrägen und Rundungen erkunden. Drei Millionen Mark Miete wird die Republik Österreich jährlich an ihre Bundes-Immobilien-Gesellschaft zahlen, die das Haus für 30 Millionen Mark seit 1998 errichtete, übrigens als erstes Auslandsobjekt. Lutterotti sprach gestern von "Heimkehr" und erinnerte daran, dass bis 1938 eine Botschaft seines Landes an der damaligen Bendlerstraße stand. Er freue sich auf ein ästhetisches, funktionales Gebäude - und auf die grünen Stühle.

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