Berlin : Österreichs Herz der Kultur

Wiens Museumsquartier ist Werkstatt der Kunst

Das Wiener Museumsquartier wurde 2001 eröffnet. Es nutzt einen fast 300 Jahre alten barocken Gebäudekomplex, den Kaiser Karl VI. 1713 als Stallung für die Pferde des Hofes auf einer Fläche vor dem Burgtor (in Wien „Glacis“ genannt) errichten ließ. Beauftragt wurde Johann Emanuel Fischer von Erlach, der die längste Barockfassade Wiens 1725 fertigstellte. Nach dem Ende der Habsburger Monarchie 1918 brauchte man die Hofstallungen nicht mehr. In den Zwanziger Jahren diente das Areal als Messegelände, 1995 nutzten es erstmals die Wiener Festwochen. Ab 1988 wurde es schrittweise zum Museumsquartier umgewidmet.

Das zentrale Gebäude ist die Kunsthalle, in der man zur Zeit unter anderem die Ausstellung „Das Porträt. Fotographie als Bühne“ sehen kann. Sie wird flankiert von zwei modernen kubistischen Gebäuden in Weiß und Schwarz. Im südlichen Leopold-Museum ist die Sammlung des Ehepaars Rudolf und Elisabeth Leopold zu sehen. Der Schwerpunkt liegt auf der Wiener Secession und dem österreichischen Expressionismus mit Werken von Gustav Klimt, Oskar Kokoschka und der weltgrößten Egon-Schiele-Sammlung. Im nördlichen Kubus ist das Museum Moderner Kunst Stiftung (MUMOK) untergebracht, es ist dem 20. Jahrhundert und der Gegenwartskunst gewidmet. Matisse, Klee und Picasso findet man hier ebenso wie die Pop-Art von Andy Warhol und Roy Lichtenstein.

Zum Museumsquartier gehören außerdem das ZOOM Kindermuseum, das Architekturzentrum Wien, das Tanzquartier Wien und das Theaterhaus „Dschungel“ für junges Publikum. Der größte Unterschied zwischen dem Museumsquartier und der Berliner Museumsinsel ist das sogenannte „quartier 21“. Über 50 kleine und mittelgroße kulturelle Initiativen und Unternehmen (Agenturen, Redaktionen, Künstlergruppen, Archive, Festivalbüros) nutzen die zahlreichen Räume des Gebäudekomplexes, die nicht von einer der großen Institutionen belegt werden. Thematisch konzentriert sich ihre Arbeit vor allem auf die drei Bereiche Mode, digitale Kultur und Design. Da das Museumsquartier – anders als die Berliner Museumsinsel – vor allem ein Ort der Gegenwartskunst ist, ist es hier möglich, die Künstler tatsächlich zu treffen. Es gibt ein eigenes Artist-in-Residence-Programm, in dessen Rahmen in den letzten Jahren rund 200 Künstler aus vier Kontinenten hier für jeweils einige Monate gelebt und gearbeitet haben. Interessierte Besucher haben die Möglichkeit, sie in ihren Ateliers zu besuchen, die Werke werden in eigenen Symposien und Lectures vorgestellt.

Neun gastronomische Einrichtungen – darunter das Café Leopold, eine Kantine und das Glacis Beisl, das schon lange vor Gründung des Museumsquartiers hier ansässig war – sind der Grund dafür, dass sich ständig Besucher auf dem Gelände aufhalten, auch wenn sie gar kein Museum besuchen wollen. In der warmen Jahreszeit nutzen sie die überall aufgestellten couchartigen Sitzgelegenheiten, Hofmöbel genannt, die jeden Sommer in einer anderen Farbe gestrichen werden. Über die Farbwahl kann man im Internet abstimmen. uba

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