Berlin : Offen rund um die Uhr: Händler begrüßen die SPD-Initiative

Sozialdemokraten möchten Ladenschluss ganz abschaffen. Ab 1. Juni wollen vor allem große Geschäfte länger verkaufen

Heidemarie Mazuhn,Ulrich Zawatka-Gerlach

Von Heidemarie Mazuhn

und Ulrich Zawatka-Gerlach

Die Berliner SPD will den Ladenschluss ganz abschaffen – und der Handel freut sich darüber. „Wir waren schon immer dieser Meinung“, sagte KaDeWe-Sprecherin Dagmar Flade gestern zu dem überraschenden Parteitagsbeschluss der Sozialdemokraten. Dass Kaufhäuser und kleine Läden ab 1. Juni nicht nur werktags, sondern auch am Sonnabend von 6 bis 20 Uhr ihre Ware verkaufen dürfen, liegt allerdings nicht an der SPD. Das veränderte Ladenschlussgesetz wurde schon im März vom Bundestag beschlossen.

Die KaDeWe-Geschäftsführung verhandelt derzeit mit dem Betriebsrat, um die neue Rechtslage nutzen zu können. „Wir sind happy, sonnabends länger öffnen zu können“, sagte die Sprecherin. Ob bis 18, 19 oder 20 Uhr, sei noch unklar. Wie sich die150 Mitglieder der AG City ab 1. Juni verhalten, müsse erst noch eine Umfrage zeigen, teilte City-Managerin Cornelia Priess mit. Für kleinere Händler seien längere Öffnungszeiten am Sonnabend ein Personalproblem. Die Großen der Branche hätten es einfacher.

Jan Holzweißig vom Berliner Einzelhandelsverband erinnerte daran, dass der Beschluss des SPD-Landesparteitages „eine alte Forderung von uns ist“. Er geht davon aus, dass ab Juni etwa 3500 bis 4000 Handelseinrichtungen in den wichtigsten Berliner Einkaufsstraßen bis 20 Uhr geöffnet haben. Sollte es irgendwann keine gesetzlichen Ladenschlusszeiten mehr geben, würden sicher nicht alle Geschäfte bis 24 Uhr und länger geöffnet haben, meinte Holzweißig. Aber es schaffe mehr Gerechtigkeit.

Zum Beispiel gegenüber den florierenden Tankstellen-Geschäften. Wer Arbeit – und damit auch Geld – habe, komme tagsüber selten zum Einkaufen. Auch deshalb „boome“ der Versandhandel, so Holzweißig. Und schon seit vielen Jahren gebe der Verbraucher einen wachsenden Anteil des verfügbaren Einkommens für Freizeitaktivitäten aus. Dazu zähle das Einkaufen am Urlaubsort, wo man mehr Zeit dafür habe. In Berlin, der „preiswertesten Stadt Europas“, könnten auch die Touristen profitieren, wenn die Läden länger geöffnet wären.

So begründete auch die SPD ihren Beschluss. Mit der Abschaffung des Ladenschlusses lasse sich „die Konkurrenzfähigkeit und Attraktivität Berlins gegenüber anderen europäischen Metropolen erhöhen“. Vorerst sehe der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) aber keine Chance, das zum 1. Juni geänderte Gesetz sofort wieder zu novellieren, sagte Senatssprecher Michael Donnermeyer. „Wir arbeiten trotzdem dran“. Auch SPD-Fraktionschef Michael Müller versprach: „Sobald sich neue Chancen im Bundesrat ergeben, treiben wir das Thema voran“. Um „Sondererlaubnisse“ (Shoppingnächte, Sonntagsverkauf usw.) besser auszunutzen, werde zurzeit mit den Bezirken über eine einheitliche Regelung verhandelt. „Manche Bezirke lassen am liebsten gar nichts zu; andere wollen den Rubel rollen lassen“.

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