Offenbar Diebstahl : BND vermisst Pläne für Neubau in Berlin

Beim Bundesnachrichtendienst sind offenbar geheime Baupläne mit sensiblen Angaben über Antiterroreinrichtungen für die künftige Berliner Zentrale gestohlen worden. Das Kanzleramt hat eine Prüfung angeordnet.

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Spionagezentrale. Der Bürokomplex für den Bundesnachrichtendienst in Mitte ist das größte Bauvorhaben des Bundes seit Jahrzehnten.Weitere Bilder anzeigen
Simulation: BND
11.07.2011 08:06Spionagezentrale. Der Bürokomplex für den Bundesnachrichtendienst in Mitte ist das größte Bauvorhaben des Bundes seit Jahrzehnten.

Berlin - Beim Bundesnachrichtendienst (BND) sind offenbar geheime Baupläne für die künftige Berliner Zentrale gestohlen worden. Die als Verschlusssache eingestuften Karten enthielten sensible Angaben unter anderem über die Position von Alarmanlagen oder Antiterroreinrichtungen, berichtete das Magazin „Focus“. Der BND wollte sich auf Anfrage zum Verlust der Pläne ebenso wenig äußern wie das Kanzleramt. Das Bundespresseamt bestätigte dem Tagesspiegel jedoch, dass am vergangenen Freitag „eine Prüfung des Vorgangs angeordnet“ worden sei. Zudem habe man die zuständigen Behörden „zur Erstellung einer Sicherheitsbewertung“ aufgefordert.

Laut „Focus“ wurden die Pläne bereits vor über einem Jahr von der streng bewachten Baustelle an der Berliner Chausseestraße geschmuggelt. Der Schaden für den Nachrichtendienst sei „riesig“, zitierte das Magazin einen ehemals ranghohen Sicherheitsbeamten des BND – in materieller Hinsicht und auch das Image betreffend. Zum Umbau der betroffenen Gebäudekomplexe, darunter auch die Technik- und Logistikzentrale, gebe es nun „keine Alternative“. Und bei den befreundeten Diensten in Washington, London oder Paris werde man sich fragen, ob „Quellen oder Geheimpapiere beim BND überhaupt noch sicher“ seien. Aus den Darstellungen lasse sich die exakte Funktion jedes einzelnen Raums, die Dicke jeder Mauer sowie die Position jeder Sicherheitsschleuse herauslesen.

Trotz Kameraüberwachung und Sicherheitsüberprüfung jedes Baustellen-Besuchers ist es für Planer oder Ingenieure offenbar nicht schwer, Unterlagen aus dem zehn Hektar großen Areal zu transportieren. „Pläne gibt es auf Papier und in digitalisierter Form“, sagte ein ehemaliger bauleitender Ingenieur dem Tagesspiegel. Es wäre ein „Kinderspiel, Pläne auf einen USB-Stick zu laden und diesen mitzunehmen“. Wer die Baustelle verlasse, werde nicht am Körper kontrolliert.

Das Mammutprojekt entwickle sich „immer mehr zum Skandalbau“, sagte der Grünen-Politiker Christian Ströbele dieser Zeitung. Gestohlene Baupläne seien „für jeden, der Böses vorhat, von großem Nutzen“. Sollten sich die Meldungen bestätigen, sei nochmals „erheblicher Zusatzaufwand“ nötig. Dabei lasse die Kostenexplosion einem schon jetzt „die Haare zu Berge stehen“. Inzwischen liege man bei fast dem Doppelten der ursprünglichen Schätzungen, sagte der Bundestagsabgeordnete, der auch Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums für Geheimdienste ist. Die BND-Zentrale für 4000 Mitarbeiter soll bis 2014 fertig sein. Die Gesamtkosten belaufen sich nach aktueller Schätzung auf 1,6 Milliarden Euro.

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