Berlin : Offene Worte

Bundespräsident Köhler hat gesprochen, aber hat er den richtigen Ton getroffen? Wir haben uns umgehört

Ingo Bach

Der Bundespräsident wählte einen dramatisch aufgeladenen Einstieg: „In Deutschland sind offiziell 5,216 Millionen Menschen arbeitslos. Sie werden daher von mir keine Festrede erwarten.“ Das waren die ersten Worte der Rede, die Horst Köhler am gestrigen Dienstag in Berlin auf dem Arbeitgeberforum hielt. In Feierlaune dürfte er genauso wenig sein, wenn er nur die Situation in der Hauptstadt betrachtete: In Berlin waren im Februar 331 095 Menschen auf Jobsuche, fast jeder fünfte Erwerbsfähige in der Stadt. Wie wirken die Ermahnungen Köhlers, der Arbeit die politische Vorfahrt einzuräumen? Traf Köhler den richtigen Ton? Wir haben uns in Berlin umgehört. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer, Eric Schweitzer, nennt die Rede in Abwandlung der berühmten Ansprache von Köhlers Vor-Vorgänger Roman Herzog aus dem Jahr 1997: „Hauruck-Rede“.

Viele Gesprächspartner stimmten der Analyse des Staatsoberhauptes zu, nicht immer aber dessen Lösungsvorschlägen. Manche äußerten die Furcht, Köhler könnte dem Sozialabbau das Wort reden. Aufmerksamkeit, die hatte er jedenfalls.

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