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Offener Brief : Vorstand der Lebenshilfe gerät intern in die Kritik

Mitarbeiter der Lebenshilfe attackieren den Verein und fordern die Rückkehr des entlassenen Geschäftsführers Ulrich Bausch.

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Die Lebenshilfe betreute behinderte Menschen.
Die Lebenshilfe betreute behinderte Menschen.Foto: dpa

Bei der Lebenshilfe verschärft sich der Streit. In einem offenen Brief, der dem Tagesspiegel vorliegt, attackieren Mitarbeiter der Tochtergesellschaft Lebenshilfe gGmbH den Vorstand des Vereins. Der hatte ohne Angaben von Gründen Geschäftsführer Ulrich Bauch entlassen.

Die Mitarbeiter fordern nachdrücklich die Rückkehr von Bauch in sein altes Amt. In dem Brief heißt es: "Für uns Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Basis und für die Klienten in unseren Einrichtungen kam das alles (die Entlassung von Bauch - .d. Red) sehr überraschend, insbesondere weil wir bis zu diesem Zeitpunkt überwiegend sehr zufrieden mit der Arbeit der Geschäftsführung waren." Sie hätten den Eindruck gehabt, dass Bauch "transparent agierte, seine Kennzahlen verlässlich waren, bewährte Projekte weiterführte, neue fachliche Konzepte entwickelte und ein gutes Geschäftsergebnis erzielte." Die gGmbH sei nach dem Eindruck der Unterzeichner als "verlässlicher Partner in Verhandlungen mit dem Senat und den Gewerkschaften geschätzt" worden.

Keine Gründe für Entlassung bekannt

Für Irritationen bei der Belegschaft sorgte auch der Umstand, dass Mitarbeiter keine nachvollziehbaren Gründe für die Entlassung kennen. In dem Brief schreiben Mitarbeiter: "Vielmehr haben Sie (der Vorstand - d. Red.) uns versichert, dass Sie sich in den ersten elf Amtsmonaten von unserer guten Arbeit überzeugt haben, welche ohne den Geschäftsführer kaum möglich gewesen wäre."

Sorgen bereit auch die Frage nach der Zukunft des Unternehmens. "Außerdem beschäftigt uns die Frage, in welcher Weise die Strukturen im Verbund verändert werden soll", heißt es in dem Brief. "Verliert die gGmbH ihre Eigenständigkeit und soll es ggf. Querfinanzierungen im Gesamtverbund geben?"

Die Unterzeichner gehen auch auf die Vorwürfe ein, die Lebenshilfe habe unrechtmäßig Zuwendungen vom Land Berlin erhalten. Dazu heißt es in dem Schreiben: "Wir als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen uns schon jetzt bei den Kostenträgern für beantragte Betreuungsleistungen rechtfertigen und massiv im Sinne der Klienten kämpfen. Mit den aktuellen Entwicklungen in der Außendarstellung wird dies wesentlich schwieriger." Die Mitarbeiter erwarteten schnelle und lückenlose Aufklärung.

Gegen Ende des Briefs geht es auch noch ums Finanzielle im Detail. "Und wir glauben, dass die finanziellen Ressourcen nicht ausreichen, um zwei Geschäftsführergehälter zu zahlen, wie es in der Vergangenheit wegen kurzfristiger Umorientierungen der Lebenshilfe Berlin leider schon mehrmals der Fall war."

Aufgrund der mangelnden Kommunikation des Vorstands ist auch der komplette Aufsichtsrat der Lebenshilfe GmbH zurückgetreten.

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