Berlin : Office-lofts: New Economy in alten Hafenspeichern

Katharina Körting

In zwei alten Speichern an der Spree, in denen früher Getreide gelagert und Eier gekühlt wurden, stehen ab Mai 2001 Computer und Kaffeemaschinen zwischen hochmodernen Büromöbeln. Junge Kreative mit ihren Werbeagenturen, Internet-Firmen und Unternehmensberater beziehen die so genannten "Office-lofts", zu denen die fabrikähnlichen hohen Hallen zurzeit umgebaut werden. Noch ist der Glanz der sauberen "New Economy" angesichts von Betonmischern, Kränen und inmitten von Baulärm nur zu erahnen.

In den beiden denkmalgeschützten Gebäuden mit Blick auf die Oberbaumbrücke entstehen 36 000 Quadratmeter Gewerbefläche. Im Getreidespeicher sind bereits 50 Prozent der Fläche vermietet. Die Medien-Firma "My Media", die Gesundheitsthemen vermarktet, bezieht 5000 Quadratmeter, das amerikanische Computer-Unternehmen "A. T. Kearny" richtet sich auf einer 2000 Quadratmeter großen Etage ein. In den Erdgeschossen ist jeweils ein Restaurant der gehobenen Klasse vorgesehen. Bauherr ist die Bonner Immobilien-Vermarktungs-Gesellschaft (IVG), eine Aktiengesellschaft, die zu den größten europäischen Immobilienunternehmen zählt. Die IVG investiert 190 Millionen Mark in das Objekt "Spreespeicher" in der Stralauer Allee 1-3, davon sind 72 Millionen Mark für die reinen Baukosten veranschlagt. Eigentümerin der Immobilie ist die Hafengesellschaft Behala. Die IVG nutzt das Gelände auf Erbpachtbasis.

Das 1928 errichtete, 38 Meter hohe Kühlhaus, das näher zur Oberbaumbrücke gelegene Gebäude, erhält eine Glasfassade. Hier war im September Baubeginn, Ende 2001 wird es als Bürohaus bezugsfertig sein. Der 41 Meter hohe Getreidespeicher war 1913 im Rahmen des Gesamtprojektes Osthafen gebaut worden. Beide zehngeschossigen Lagerhäuser wurden bis 1991 genutzt. Die Sanierung des Getreidespeichers hat im Juni begonnen. Zurzeit wird das gesamte Gebäude per Sandstrahlgebläse gereinigt. Im Innern legen Bauarbeiter mit Bohrern die alten Stahlträger frei, um mögliche Mängel beheben zu können. Zimmermänner und Dachdecker arbeiten auf dem Dach, um es vor Einbruch des Winters dicht zu machen.

"Die alte Baustruktur bleibt", betont Projektleiter Jörg Lammersen von der IVG-Tochter "Wertkonzept", die den "Spreespeicher" vermarktet. Andernfalls hätte die IVG auch keine Baugenehmigung erhalten. Die historischen großen Rundbögenfenster werden wieder hergestellt. Rohe, rote Backsteinwände auch im Innern der künftigen Großraumbüros verstärken den alten Charme der robusten Industriebauten. Fahrstühle, Parkplätze, gläserne Trennwände, Teeküchen und "WC-Zellen" erfüllen die Bedürfnisse heutiger Büroarbeiter. Zur Spree hin entstehen Terrassen und ein Uferwanderweg. Der Blick aus den großen Fenstern fällt zum Beispiel auf die Oberbaumbrücke.

"Die Gegend ist interessant für flippige Unternehmer", meint Lammersen. "Die wollen nicht unbedingt nach Mitte, wo Rechtsanwälte und Banken dominieren. Außerdem ist die Miete bei uns mit 20 bis 25 Mark pro Quadratmeter günstiger." Er prophezeit dem gesamten Gelände rund um die Oberbaumbrücke eine große Zukunft als Gewerbegebiet - trotz des Überangebots von Büroräumen in der Stadt: "Friedrichshain und das Spreeufer werden zu einem Zentrum für die New Economy."

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