Offiziershotel am Flughafen Tempelhof : Ausbau für die Kreativwirtschaft

Wo früher US-Offiziere im Flughafenhotel logierten und feierten, sollen künftig Startup-Unternehmer arbeiten. Investoren können bis Ende Oktober Konzepte einreichen.

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Blick in den komplett vertäfelten Eichensaal von 1938. Erster Nutzer war die Lufthansa.
Blick in den komplett vertäfelten Eichensaal von 1938. Erster Nutzer war die Lufthansa.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Im „Cosy Corner“, der Kellerbar, könnte die Party sofort wieder starten. An der Rezeption warten leere Postfächer auf Briefe. Der blaue Teppichboden ist unbefleckt. Im historischen Eichensaal mit Eichenlaublüstern sollte nur das Eichenparkett mal abgeschliffen werden. Das Offiziershotel der US-Streitkräfte scheint nur kurz den Betrieb eingestellt zu haben, dabei steht das Haus seit 20 Jahren leer.

Das soll sich bald ändern. Die Tempelhof-Projektgesellschaft sucht Investoren für das knapp 9000 Quadratmeter große Gebäude, das zum Bauensemble des Tempelhofer Flughafens gehört. Private Immobilienentwickler sollen das Gebäude per Erbpacht übernehmen und für eine zweistellige Millionensumme sanieren und ausbauen. Die Manager von THF-Projekt wünschen sich eine Nutzung als Kreativstandort. Bis Ende Oktober können Bewerber ihr Konzept einreichen, bis März 2015 sollen belastbare Projektentwürfe auf dem Tisch liegen.

Anfragen von Kreativunternehmen liegen vor

Ursprünglich wollte THF-Projekt das Gebäude selber sanieren und vermarkten, doch vom Land gab es dafür kein Geld. Gerhard Steindorf, Chef von THF-Projekt, erklärt, es gebe bereits seit Jahren viele Anfragen von Kreativunternehmen, doch bislang habe man kaum Flächen anbieten können. Vorzeigemieter ist die internationale Medienagentur Exozet, die sich Räume über den Hangardächern ausgebaut hat.

Der Eingangsbereich des ehemaligen US-Offiziershotels am Platz der Luftbrücke.
Der Eingangsbereich des ehemaligen US-Offiziershotels am Platz der Luftbrücke.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Das Offiziershotel trägt den internen Codenamen "H2 rund", weil es zum Halbrund-Gebäuderiegel am Platz der Luftbrücke gehört. Erster Mieter war 1938 die Lufthansa, in den 50er Jahren zogen die US-Alliierten und später die Fluggesellschaft Pan Am hier ein. Der heutige Zustand stammt vorwiegend aus den 80er Jahren, mit dunkler Auslegeware, Holzvertäfelungen und skurrilen Wandleuchten. Alle künftigen Umbauten müssen mit dem Landesdenkmalamt ausgehandelt werden.

Militärische Aufkleber im "Cosy Corner"

Im Erdgeschoss möchte die THF-Projekt ein Besucherzentrum einrichten. Auch der Eichensaal soll künftig auf Führungen gezeigt werden. Jährlich lassen sich derzeit rund 30000 Menschen durch das Flughafengebäude führen. Von der Lufthansa ist nichts mehr zu sehen, umso mehr von den Alliierten. Neben den „Exit“-Anzeigen wie im gesamten Gebäudekomplex haben sich besonders militärische Aufkleber am Tresen des Cosy Corners erhalten. Sie zeigen witzig-schräge Logos amerikanischer Einheiten: Schwarz vermummte Ritter, ein Pferd auf Panzerketten im Sturmangriff, ein Totenkopf mit roter Rose. Unklar, ob die auch unter Denkmalschutz stehen.

Dachstuhl komplett aus Beton

Mit dunklem Marmor verkleidete Treppen verweisen auf die NS-Baukultur. Im Gegensatz zum Hauptgebäude ist das Offiziershotel in den 30er Jahren fertig ausgebaut worden, bis auf einen leeren Fahrstuhlschacht. Der Dachstuhl wurde wegen des drohenden Luftkriegs komplett aus Stahlbeton gefertigt und befindet sich bis heute im vorzeigbaren Zustand.

Die Manager von THF-Projekt könnten sich vorstellen, noch weitere Gebäudeteile an Investoren abzugeben, allerdings nur in Erbpacht. Ein Verkauf komme wegen der Bedeutung des Flughafengebäudes nicht infrage, sagte Steindorf. In der nächsten Woche beginnen erste Sanierungsarbeiten, um schadstoffhaltige Bauteile zu entfernen. Die dafür nötigen 730 000 Euro übernimmt zum größten Teil der Bund. Bis März 2015 sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein.

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