Berlin : Oh, Brasilien!

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Bernd Matthies über Urlaub –

und wer ihn verlängern darf

Der Trick beim Bundesligafußball besteht darin, dass der Trainer genau auf seine Brasilianer achten muss. Sie sind dribbelfreudig, kreativ und torgefährlich, allerdings nur, wenn sie auch da sind. Manchmal bleibt einer noch ein paar Tage länger in den Ferien, das gibt Ärger ohne Ende und böse Schlagzeilen. Herthas Brasilianer sind neuerdings pünktlich – ein gutes Zeichen.

Doch nun geht es im Berliner Senat los. Justizsenatorin Schubert hat ihren Urlaub verlängert und den Mann von der Ersatzbank in die erste Senatssitzung des neuen Jahres geschickt. Das Training für eine harte Saison musste ohne sie beginnen, und das, obwohl Spielertrainer Wowereit allen Grund hat, seine Leute die Standardsituationen üben zu lassen, ein paar neue Freistoßtricks einzustudieren und im Kampf gegen die virtuosen Abstauber vom AC Verdi die Abseitsfalle zu perfektionieren. Da wäre die Sachkunde der Justizsenatorin ein nützlicher Aktivposten.

Nun ja. Es ist ja sicher so, dass Senatoren viel zu wichtig und zu hoch bezahlt sind, um sich ihre Maßstäbe von den ordinären Beschäftigten unterer Besoldungsgruppen diktieren zu lassen, die bekanntlich Ärger bekommen, wenn sie nicht morgens um neun an ihrem Schreibtisch im Grundbuchamt Platz nehmen. Senatoren verhalten sich zum Amtmann wie Brasilianer zum Zeugwart; sie dürfen machen, was sie wollen. Es wäre allerdings fatal, wenn jeder Senator, der den Urlaub verlängert, sich gleich für einen Brasilianer hielte. Auch wenn die Reise nach Brasilien ging. Wie bei Frau Schubert.

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