Oh, Pannenbaum in Berlin : Kannste nich’ meckern

Ist er verbogen? Gebrochen? Kahl? Jahr für Jahr ist das Aufstellen des Weihnachtsbaumes an der Gedächtniskirche ein Ereignis. Am Freitag war es soweit - und unser Reporter Bernd Matthies dabei.

von
Da isser! Und sieht nich' übel aus.
Da isser! Und sieht nich' übel aus.Foto: Davids/Sven Darmer

Am Anfang stand größtes Lob. „Das sieht ja endlich mal wie’n Baum aus“, rief ein Radler beim Anblick der hoch aufragenden Weihnachtstanne – eine Zustimmung der Kannste-nicht-meckern-Kategorie, mehr ist in Berlin eigentlich kaum möglich. An diesem Freitag hat der Schaustellerverband am Breitscheidplatz den traditionellen Baum aufgestellt, der die Tradition insofern unterbricht, als er makellos und dicht gewachsen ist, ein echtes Prachtexemplar, schnurgerade, symmetrisch – kurz: von allen Seiten perfekt. Und, aus Sicht der Organisatoren noch besser: Er musste nicht aus irgendeinem fernen deutschen Wald geholt werden, sondern hat die letzten vier Jahrzehnte auf einem Lichtenrader Villengrundstück zugebracht. Der Besitzer hat ihn noch selbst gepflanzt. 43 Jahresringe deuten ungefähr auf das Jahr 1970.

Oh, Tannebaum - Berlins Schrottbäume in Bildern
Kinder, ist das idyllisch. Leider haben diese Postkartenmotive wenig mit der knallharten Weihnachtsbaumfolklore in der City West zu tun. Die schönsten Bilder zeigen wir Ihnen gleich.Weitere Bilder anzeigen
1 von 15Foto: dpa
16.09.2014 15:18Kinder, ist das idyllisch. Leider haben diese Postkartenmotive wenig mit der knallharten Weihnachtsbaumfolklore in der City West...

Die Daten sind imposant: 24,4 Meter hoch und 5,8 Tonnen schwer – der größte Baum, der jemals am Breitscheidplatz gestanden hat, wie Michael Roden, der Vorsitzende des Berliner Schaustellerverbands sagt. Es handelt sich um eine Küsten- oder auch Riesentanne (abies grandis), deren helle Nadeln durch ihren an Zitrone erinnernden Duft auffallen.
Der Transport hatte am Morgen in Lichtenrade begonnen. Die Kletterspezialistin Clara Scheuring arbeitete sich im Geäst nach oben, wo bereits der Kranausleger wartete. Sie befestigte den Baum am Seil, dann stabilisierten Kollegen den Riesen, der Kran zog leicht an, dann kam die Stunde der Kettensäge.

Auch am Breitscheidplatz lief alles perfekt. Der Baum wurde per Kran wieder aufgerichtet und über den Standort an der Ecke Kantstraße gehängt. Unter ihm stand die mit Beton beschwerte Stahlkonstruktion, die ihn bis Weihnachten sturmsicher tragen soll. Nun machten sich Mitarbeiter der AG City daran, den Baum festlich zu schmücken. Das Symbol des Weihnachtsmarktes an der Gedächtniskirche ist angekommen.


Was wird aus dem Breitscheidplatz in Charlottenburg? Lesen Sie am Sonnabend im gedruckten Tagesspiegel ein Spezial auf den Seiten „Mehr Berlin“.

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben