Berlin : Ohne die Nackten

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VON TAG ZU TAG

Werner van Bebber über

Gelöbnisse auf dem Grill

Klar doch: Ein bewusstloser Rekrut kann nichts geloben. Wer nicht bei Sinnen ist, kann unmöglich versprechen, „der Bundesrepublik treu zu dienen“. Er kann auch seine Bereitschaft nicht verkünden, „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“. Er kann allenfalls den Mund aufmachen, um ein bisschen Wasser zu trinken, tief durchzuatmen und sich dann beim Arzt oder Sanitäter zu bedanken und wahrscheinlich „Tut mir leid“ zu sagen. So müssen die kreislaufkollapsgeplagten Rekruten, die am Sonntagnachmittag der Hitze nicht standgehalten haben, noch mal antreten.

Dabei gibt es keinen Grund, warum man für ein Gelöbnis in prallster Sonne am heißesten Tag des Jahres eine schwere graue Jacke tragen muss. Es versteht sich, dass die Bundeswehr auf Formen stärker achtet als die Polizei oder die BVG. Doch nur Roboter und Schaufensterpuppen können problemlos eine Stunde lang dick bekleidet und bewegungslos in der Sonne stehen, ohne umzufallen. Bleibt zu hoffen, dass den Kollabierten nicht schon am Sonntagnachmittag Zweifel an der Bundeswehr gekommen sind. Die wären verständlich. Starr ziehen ein Bundesverteidigungsminister und seine Untergebenen ein Ritual durch, grimmig fürchtend, dass irgendwelche nackten GelöbnisStörer die Bundeswehr wieder lächerlich machen. Das hat sie diesmal allein geschafft (Seite 12).

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