Berlin : Ohne ernste Absichten

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Von Johannes Hofele

Einen Liebhaber stellt man sich gemeinhin als feurigen Don Juan vor. Man vermutet ihn auch in romantischer Umgebung, und nicht in den trockenen Gefilden des Steuerrechts. Doch manch braver Steuerbürger wird ausgerechnet vom Finanzamt zum Liebhaber erklärt und ist darüber meist gar nicht erfreut. Denn der Status eines „Liebhabers“ bringt steuerlich Nachteile.

Das deutsche Steuerrecht lässt seit jeher zu, Gewinne aus einer Einkunftsart mit Verlusten aus einer anderen Einkunftsart zu verrechnen. Die Steuer wird nur auf den Gesamtsaldo erhoben. Dabei bleiben alle Einnahmen und Ausgaben aus dem Bereich der „privaten Lebensführung“ für die Einkommensteuer außer Betracht. Steuerlich können weder die Kosten für die übliche Lebenshaltung (zum Beispiel die Privatwohnung, Nahrung, Kleidung) noch für Hobbys angesetzt werden. Wer also in seiner Freizeit Antiquitäten sammelt, kann die Kosten hierfür steuerlich nicht geltend machen und muss andererseits einen Verkaufsgewinn auch nicht versteuern, so lange er die Antiquitäten länger als ein Jahr besitzt. Die Kehrseite: Betreibt man ein Hobby so, dass man nachhaltig Gewinne erzielt, sind diese zu versteuern und die Kosten können steuerlich geltend gemacht werden.

Eine alte Idee

Findige Menschen kamen schon gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts auf die Idee, gegenüber dem Finanzamt bestimmte Betätigungen als steuerlich relevant anzugeben: Sehr beliebt waren etwa Pferdezucht oder Jagd. Auch wenn aus dem Verkauf der gezüchteten Pferde kein Gewinn erzielt wurde, wurden die Kosten angesetzt, um die Steuerlast zu mindern. Doch Fiskus und Rechtsprechung stellten schon bald Voraussetzungen auf, die diesem Treiben Einhalt gebieten sollten. Seitdem gilt: Wer eine Tätigkeit ohne die Absicht betreibt, zumindest langfristig Gewinne zu erzielen, kann die Kosten dafür auch nicht steuerlich geltend machen. Damals wurde der Begriff der „Liebhaberei“ geprägt.

Wie im Steuerrecht üblich, entwickelten sich im Laufe der Zeit neue Fallgestaltungen und der Begriff nahm eine gewisse Eigendynamik an. Einerseits geht es nach wie vor um die Frage, ob private Kosten „umgemünzt“ werden sollen: Wurde die Motorjacht oder die Ferienwohnung wirklich angeschafft, um aus der Vermietung Überschüsse zu erzielen oder soll nicht doch der Urlaub mit Hilfe des Finanzamtes etwas günstiger gestaltet werden? Andererseits kommt es auf die äußere Nähe zur Freizeitgestaltung gar nicht mehr so sehr an: Werden Verluste zum Beispiel aus der Vermietung von Immobilien geltend gemacht, kommt es immer wieder vor, dass das Finanzamt sehr kritisch prüft, ob der Steuerpflichtige mit der Investition wirklich auf Dauer Überschüsse erzielen will. Vermutet das Finanzamt, dass damit nur die Steuervorteile „mitgenommen“ werden sollten, erkennt es die Verluste nicht an.

Auch wenn aus einer Nebentätigkeit, etwa als Schriftsteller, laufend Verluste deklariert werden, wird das Finanzamt dies nur eine Zeit lang akzeptieren – selbst Rechtsanwälte können in den zweifelhaften Genuss kommen als Liebhaber etikettiert zu werden: Ein Anwalt, der Jahre lang nur Verluste erwirtschaftet hatte, musste bis vor den Bundesfinanzhof (BFH) gehen, damit ihm bestätigt wurde, dass er das, was er macht, nicht nur zum Spaß tut.

Der Autor ist Rechtsanwalt und Fachwalt für Steuerrecht in der Kanzlei Galler, Denes, Peschke. Im Internet: www.galler-denes.de .

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