Berlin : Ohne Führerschein im Streufahrzeug

18-Jähriger steuerte schwere Schneekehrmaschine durch die Stadt und baute spektakulären Unfall

Werner Schmidt

Auf bereits gestreuter und gefegter Straße verlor ein 18-jähriger Fahrer am Montag die Gewalt über seine Schneekehrmaschine – das Fahrzeug kippte um. Rund eine halbe Tonne Sand, vermengt mit Glassplittern und Metallteilen landete auf dem Vorarlberger Damm in Schöneberg. Grund für die Panne: Der Mann am Steuer fuhr zu schnell und hatte keinen Führerschein. Er wurde leicht verletzt. Sein 34-jähriger Kollege auf dem Beifahrersitz, der das Fahrzeug eigentlich lenken sollte, kam mit dem Schrecken davon.

Für eine gute Stunde wurde die Straße in Höhe des Sachsendamms gesperrt, während die Feuerwehr den Streusand mühsam per Hand von der Straße auf den Gehweg schaufelte und anschließend an der Unfallstelle noch mit dem Besen die Spuren beseitigte. Gleichzeitig versuchten weitere Helfer, das tonnenschwere Gefährt wieder aufzurichten. Es gelang ihnen gegen 12.30 Uhr: Mit einer Seilwinde zogen sie die orangefarbene Maschine mit der Kehrbürste an der Front wieder hoch und stellten sie auf ihre vier Räder.

Die Unfallursache war für die Polizei schnell klar: Der Fahrer war zu schnell vom Sachsendamm in den Vorarlberger Damm abgebogen. Er kannte sich mit den Tücken der Maschine nicht aus. Wie auch – schließlich habe er keinen Führerschein, sagte ein Beamter am Unfallort. Warum der 18-Jährige am Steuer war und nicht der andere Mitarbeiter, ist ungeklärt. Gegenüber der Polizei machten die beiden dazu keine Aussage.

Der 18-Jährige sei erst am Vormittag von seiner Firma Gegenbauer-Bosse, die für den Winterdienst zuständig sei, unerwartet für einen erkrankten Kollegen als Beifahrer eingesetzt worden, sagte ein Polizist. Eine Erklärung, warum der erst im November volljährig gewordenen Mann das Streufahrzeug lenkte, sei das aber nicht. Der Sprecher von GegenbauerBosse, Gunther Thiele, sagte dem Tagesspiegel, man werde jetzt gründlich untersuchen, ob es ein Fehlverhalten der Mitarbeiter gegeben habe. Wenn es sich bestätigen sollte, werde dies „ernsthafte Konsequenzen haben“.

Durch den Sturz wurde auch der Tankstutzen schwer beschädigt: Dieselöl lief auf die Straße. Überall roch es intensiv nach dem Treibstoff, der auf dem Vorarlberger Damm und dem Sachsendamm große, in allen Regenbogenfarben schimmernde Schlieren bildete, die an den Fahrbahnrändern entlang liefen. Die Feuerwehr streute auf einer Länge von über 100 Metern Chemikalien, um damit das Dieselöl zu binden. Die Stadtreinigung fegte anschließend mit ihren eigenen Maschinen das Gemisch aus Bindemittel und Dieseltreibstoff von der Straße.

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