Berlin : Ohne Führerschein, unter Drogen: Drei Freunde starben

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Seine Freunde ließen auf der nächtlichen Fahrt im Fond eine Flasche Wein kreisen. Draußen auf dem vereisten Asphalt spiegelte sich das Licht der Laternen. Rico B., 23, gab trotzdem Gas, überholte auf der Storkower Straße – und schleuderte in eine Katastrophe. Bei dem Unfall starben drei junge Menschen: seine Freundin Manuela (19), sein bester Freund Nico (21) und dessen Freundin Sabrina (18). Rico B., ein arbeitsloser Gebäudereiniger, kam mit schweren Verletzungen davon. „Die Sache tut mir unendlich Leid“, sagte der 23-Jährige gestern vor dem Amtsgericht Tiergarten.

Rico B. trägt kurz geschorenes Haar, helle Jeans und Sweat-Shirt. Die Vorstrafen des Weißenseers erzählen von seiner offenbar größten Leidenschaft, dem Autofahren. Nach 1999 wird er drei Mal verurteilt: Weil er mit fremden Nummernschildern fährt. Weil er ohne Führerschein unterwegs ist. Weil er nach einem Unfall flüchtet. Im Januar 2002 ist sein Führerschein noch eingezogen, trotzdem kauft er sich den roten BMW. Etwa zur selben Zeit verliert Rico B. seinen Job. Sozialhilfe beantragt er nicht. „Ich habe von meinen Eltern gelebt.“

Es war ein später Besuch, in jener Nacht zum 2. März 2002. Gegen Mitternacht traf er mit seiner Freundin Manuela bei seinem Kumpel René ein. Man trank ein wenig Bier, man zog ein paar Linien Kokain. Ganz normal? „Das habe ich häufiger konsumiert“, sagt Rico B. Als sich das Paar gegen 2.30 Uhr entschließt, nach Hause zu fahren, steigen auch Nico und Sabrina mit ein. Der 23-Jährige sagt, dass er sich noch an einen Halt an einer Tankstelle erinnern kann. Und danach? „Totaler Blackout.“

Taxifahrer Michael B. hingegen wird jene Nacht nicht so schnell vergessen. „Die haben über Funk schon die ganze Zeit durchgesagt, dass Blitzeis ist“, sagt der Zeuge. Während er also mit 30 dahinkroch, habe ihn der BMW mit etwa 70 Stundenkilometern überholt. Beim Einscheren verlor der Fahrer die Kontrolle, geriet auf die Gegenfahrbahn und raste gegen einen geparkten Lastwagen. Den Fahrer konnte Michael B. aus dem total zerstörten Wagen ziehen. „An die anderen ist man gar nicht mehr rangekommen.“

Immer wieder ringt Rico B. auf der Anklagebank mit den Tränen. Er sagt, dass er und Manuela bald Verlobung feiern wollten. „Das habe ich mir kaputt gemacht.“ An die Verwandten seiner toten Freunde hat sich der 23-Jährige nach Auskunft seines Anwalts noch nicht gewandt. Aber den Unfall werde er nie mehr vergessen, sagt Rico B. und bittet das Gericht: „Ich möchte eine zweite Chance bekommen.“

Zunächst einmal wird der 23–Jährige seine Strafe absitzen müssen. Das Gericht verurteilt ihn zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis. „Er war durch die Verurteilungen vorgewarnt“, sagt der Richter. Seinen Führerschein kann Rico B. frühestens in fünf Jahren wieder beantragen. Katja Füchsel

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