Berlin : Ohne Hauptmann läuft es nicht in Köpenick

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Fast ein Jahr nach Eröffnung des großen Kulturtreffs "Freiheit 15", steht die Trägergesellschaft vor der Pleite. Alexander Heene, der 37-jährige Chef des Unternehmens, spricht von wirtschaftlichen Schwierigkeiten. "Es könnte sein, dass ich Insolvenz beantragen werde", formuliert der Köpenicker vorsichtig. Als im April 2001 das idyllisch gelegene Areal an der Alten Spree mit Varieté, Bar, einem historischen Restaurantschiff und einem großzügig gestalteten Hof öffnete, blickte der im Bezirk bekannte Veranstaltungsorganisator Heene allerdings optimistisch in die Zukunft. Er wolle am Rande der Köpenicker Altstadt einen ganz besonderen Veranstaltungsort etablieren, ließ er damals wissen. Aus heutiger Sicht sei sein Konzept aber zu anspruchsvoll gewesen, sagt er heute.

Weil Heene absolut nichts mit "bierseliger Hauptmann-Folklore" zu tun haben wollte, traten in den denkmalgeschützten Räumen unter anderem Tim Fischer, Veronika Fischer, Jazz- und Blues-Bands auf. Doch nur in den Sommermonaten füllten sich die Plätze in dem 200 Besucher fassenden Saal, und noch schlechter lief das Restaurant auf dem über hundert Jahre alten Zweimaster, der an der Alten Spree ankert. Die exklusiv-mediterrane Küche wurde nach Aussage von Heene von den Gästen nicht gut angenommen. "Die wollen lieber etwas Uriges", weiß er aus Gesprächen mit Besuchern. Das Projekt sei an diesem Ort gescheitert, weil er nur von seinem persönlichen Geschmack ausgegangen sei.

Er möchte, dass dort auch weiter Kultur angeboten wird, kann aber noch nicht sagen, ob er selbst die Arbeit fortsetzt oder ein anderer Betreiber einsteigt. Bürgermeister Klaus Ulbricht (SPD) betonte gestern auf Anfrage, dass dem Bezirk sehr viel daran liege, den Ort zu erhalten. "Wir können zwar keine finanzielle Unterstützung geben, aber für das Areal auch außerhalb Köpenicks werben", betont der Bezirkschef. Schließlich wurden die Gebäude der "Freiheit 15" mit öffentlichen Geldern saniert. 1,8 Millionen Mark kamen aus dem Berliner Denkmalschutzprogramm.

Heene investierte selbst eine einstellige Millionensumme für den Umbau seines Restaurantschiffes "Ars vivendi" und die Inneneinrichtung der Veranstaltungsräume. Das Bezirksamt hatte ihm vor drei Jahren den Zuschlag für den Kulturtreff vor allem erteilt, weil er anders als die anderen drei Bewerbern eigenes Kapital für den Umbau einsetzte. Noch sei aber nicht alles verloren, sagt er jetzt und hofft er auf "positive Gespräche mit verschiedenen Banken". Außerdem arbeite er bereits an einem veränderten Konzept. So könnte es in der "Freiheit 15" künftig deftige Speisen und ein volkstümlicheres Programm geben. Die etwa 20 Mitarbeiter der GmbH stünden hinter ihm, sagt Heene. Sie müssten teilweise sogar auf Lohnzahlungen verzichten.

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