Berlin : Ohne Neid

Andreas Conrad

So ist das oft im Leben: Fragen und Einwände tauchen erst dann auch, wenn alles zu spät, die Entscheidung gefallen ist. Womöglich wurde sie anfangs sogar bejubelt, doch nun beginnt das Grübeln. Beispielsweise über die Risiken und Nebenwirkungen, die mit der Auswahl eines Knirpses als Stadioneskorte für einen Fußballer von Weltrang verbunden sein können. Hand in Hand wird der Junior mit seinem Profipartner in die Arena einlaufen, fragt sich nur wann genau. Muss er dafür Schule oder Hort schwänzen, greift wegen eines Anpfiffs zu später Stunde gar der gesetzliche Jugendschutz? Auch Überfütterung mit den Fast-Food-Produkten des Sponsors ist zu befürchten, eine weitere Tücke der Situation, nur noch übertroffen von der Auswahl des zu Eskortierenden. Klar, alle wollen Ronaldinho an die Hand nehmen, aber das kann nur einer der Kleinen, während die anderen in die Röhre gucken, vielleicht neidvoll, vielleicht von allen Seiten gehänselt, weil ihnen ein Spieler zuteil wurde, der momentan alles andere als populär ist. Ja doch, so ein Ball mag rund sein, aber er hat jede Menge Ecken und Kanten.

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