Berlin : Ohne Schliff

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Friedrich II. an Voltaire

über Deutsche und Franzosen (1775)

Sie behaupten mit Recht, dass unsere guten Deutschen erst die Morgenröte der Bildung haben. Die schönen Wissenschaften stehen jetzt bei ihnen auf demselben Punkt, auf dem sie in Frankreich unter Franz dem Ersten (15151547, Montaigne, Rabelais) standen … Unsere Deutschen haben den Ehrgeiz, ihrerseits die Vorzüge der schönen Künste zu genießen; sie geben sich alle Mühe, mit Athen, Rom, Florenz und Paris zu wetteifern. So groß meine Liebe zu meinem Vaterland auch ist, ich wüsste nicht zu vermelden, dass man hierin bisher Erfolge verzeichnen konnte; an zwei Dingen mangelt es hier, an Sprache und an Geschmack. Die Sprache ist zu weitschweifig; die gute Gesellschaft spricht Französisch, und ein paar Schulmeister und ein paar Professoren vermögen ihr nicht den Schliff und die leichten Wendungen zu geben, die sie sich nur in weltläufiger Gesellschaft aneignen könnte.

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