Ohne Wasserpfeife ans Wasser : Wie Senator Henkel junge Konfliktlotsen besucht

Sonne, Becken, Badeshorts – und ein Innensenator im dunklen Einreiher: Im Sommerbad Columbiadamm begibt sich Innensenator Frank Henkel in den Wertedialog mit der Gesellschaft. Ein Ortstermin.

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In sicherer Entfernung. Hinten im Bild ist Senator Henkel zu erkennen – der jugendlichen Laiendarstellern aufmerksam zuhört.
In sicherer Entfernung. Hinten im Bild ist Senator Henkel zu erkennen – der jugendlichen Laiendarstellern aufmerksam zuhört.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Es wären sicher unvergessliche Bilder geworden, hätte Frank Henkel ausnahmsweise das Protokoll beiseite geschoben und sich mitsamt Personenschützern ins himmelblaue Wasser des Columbiabads geworfen – einige Journalisten wären ihm sicher gefolgt, wenn auch nicht mit den Kameras. Endlich Sommer!

Doch der Innensenator neigt nicht zu solchen Exaltationen, zumal, wenn er sich im Wertedialog mit der Gesellschaft befindet. Hier sollte es zudem auch um Probleme gehen, die außerhalb des Wassers auftauchen, dort, wo vor allem Jugendliche sich selbst und anderen Ärger machen. Das Columbiabad ist in dieser Hinsicht nicht ganz einfach – vor vier Jahren mussten hier 50 erregte Badegäste von der Polizei an die Luft gesetzt werden. Auch die Bäder Pankow und Seestraße gelten als problematisch; im einst so auffälligen Prinzenbad ist längst wieder Ruhe eingezogen.

„Bleib cool am Pool“ heißt das Projekt, das Polizei, Bäder-Betriebe und die Gesellschaft für Jugend- und Sozialarbeit schon im dritten Jahr betreiben. Die Grundidee: Jugendliche, die selbst auch Badegäste sind, übernehmen die Rolle des Konfliktlotsen und versuchen zusammen mit sogenannten „Kiezvätern“, Konflikte zu lösen, bevor sie sich so zuspitzen, dass die Polizei gefragt ist.

In dieser Demonstration ist es Yüksel Sara, der das Rollenspiel anführt, ein älterer Türke, dem die deutschen Worte nicht leicht von der Zunge gehen – doch in der Alltagspraxis funktionieren hier türkische und arabische Vokabeln ohnehin besser. Auf der Wiese liegt das Ausbildungsmaterial. „Gefährdung Dritter“, „Scherben“, „Verbrennungen“ und „Asthma“ steht da in großen Buchstaben, dem Konflikt angepasst: Zwei Mädchen haben eine Wasserpfeife ins Bad geschleppt, um Geburtstag zu feiern. Verboten.

Sara erklärt, die Debatte zieht sich, für alle Fälle liegen schon die nächsten Täfelchen parat: „Hausordnung“, „Sicherheitsdienst“ und „Hausverbot“. Die Mädchen zieren sich ein wenig, ach, nur fünf Minuten paffen noch, doch Sara bleibt hart, das Wort „Sicherheitsdienst“ fällt, damit wäre die Sache erledigt. Sascha Benger, der Präventionstrainer der zuständigen Polizeidirektion 5, ist zufrieden. Und der Senator ist es auch, er zitiert sogar einen Untergebenen, den Polizeipräsidenten. Der sage immer, Sprache sei das wichtigste Mittel, na bitte, stimmt doch.

Henkel lässt seinen Blick dann noch wohlgefällig über andere Vorführungen des Cool-Pool-Programms schweifen. Die Teilnehmer – Kennzeichen: blaue T-Shirts – werden nicht nur interkulturell und in Sachen Konfliktlösung ausgebildet, sondern auch in Erster Hilfe und im Schwimmen. Die neuen Bäder-Chefs tragen das Konzept, das sie von den Vorgängern geerbt haben, klaglos mit. Annette Siering, offiziell „Vorständin“, verspricht, dass man weder an Schwimmmeistern noch an Sicherheitspersonal sparen werde. Die Lotsen seien ein Zusatzangebot und als Gesprächspartner gedacht. Am Ende wird ein Spendenscheck über 500 Euro überreicht, und Sascha Benger freut sich: „Da steht meine Kostenstelle drauf.“

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