Berlin : Ohne Zigarren gibt es oft Ärger

In Restaurants nehmen rauchfreie Zonen aber zu

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Rauch - das ist auch für Feinschmecker in Berlin ein zwiespältiges Thema. Viele fühlen sich stark belästigt, wenn in ihrer Nachbarschaft stark geraucht wird, andere kennen nichts Schöneres, als sich nach dem Essen selbst eine möglichst dicke Zigarre anzuzünden, was dann wiederum andere Gourmets hochgradig belästigt. Dieser Zwiespalt stürzt das Personal vor allem in der Top-Gastronomie gelegentlich in Schwierigkeiten. Fein raus sind vor allem die Restaurants, die in den letzten Jahren gebaut oder umgebaut wurden und deshalb über leistungsfähige Lüftungssysteme verfügen. Hier verschwindet eventueller Rauch, bevor er anderen Gästen lästig wird. Im „Vau“ heißt es beispielsweise, man habe deshalb noch nie Probleme gehabt.

Ein beliebter Ausweg in der Top-Gastronomie ist die beschwichtigende Anmerkung in der Speisekarte, man möge auf das Rauchen von Zigarren und Pfeifen verzichten oder wenigstens warten, bis alle Gäste beim Dessert angekommen sind. So hält es beispielsweise Ingrid Wannemacher im Charlottenburger „Alt Luxemburg“. Doch die Erfahrungen seien nicht sehr ermutigend, sagt sie: „Die, die es angeht, lesen das einfach nicht.“ Und die Abschaffung wenigstens des Zigarrenverkaufs im Restaurant kommt für sie ebenfalls nicht in Betracht - sie würde dann von eingeschworenen Rauchern beschimpft. Die erfahrene Restaurantchefin hat schon oft vermitteln müssen zwischen den Zigarren-Fans und ihren Gegnern am Nachbartisch.

Für ein generelles Verbot, ist sie dennoch nicht, denn: „Ich mache das jetzt 20 Jahre und bin immer einigermaßen klargekommen.“ Allgemein fürchtet man in der Branche, dass die ohnehin schon mehr als raren Gäste ganz zu Hause bleiben, falls man ihnen das Rauchen im Restaurant verbietet.

Ingrid Hartges, die Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, beobachtet seit Mitte der 80er Jahre „ein Hin und Her“ bei den rauchfreien Zonen. „Erste Pilotprojekte, die damals eingerichtet wurden, waren anfangs voll besetzt, aber dann schwand das Interesse“, erinnert sie sich. Erst seit Mitte der 90er Jahre fragen wieder „mehr und mehr Gäste“ nach Tischen ohne Rauch – und die Hotels und Gaststätten in Berlin reagieren offenbar darauf: Die rauchfreien Zonen nehmen zu- vor allem bei Steakhaus-Ketten und großen amerikanischen Schnellrestaurants, hat der Verband beobachtet. bm/cs

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