Oldtimer im Untergrund : Bloß keine Fahrschalterexplosion!

Die BVG schickt für einen Tag historische U-Bahnzüge aufs Gleis. Deren Geschichte war mitunter ein wenig gruselig. Eine Glosse zur Baureihe A1.

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Oldie auf Schienen. So ein Zug fährt heute auf der U2 zwischen Pankow und Potsdamer Platz.
Oldie auf Schienen. So ein Zug fährt heute auf der U2 zwischen Pankow und Potsdamer Platz.Foto: Falk2/Wikipedia

Niemand würde heute noch eine U-Bahnfahrt als Abenteuer bezeichnen, nicht mal in Berlin. Aber es gab Zeiten, da muss das anders gewesen sein. Man nehme nur als Indiz ein Wort wie „Fahrschalterexplosion“, das einst zum Alltag eines U-Bahnzugführers der BVG gehörte und ihm ein Lebensgefühl vermittelt haben muss wie einem Astronauten der Mercury-Ära, mit dem Unterschied, dass so ein explosionsgefährdeter BVG-Mann vornedran an seinem Fahrzeug keine Rettungsrakete hatte wie sein Kollege von der Nasa.

Zu solch einer „Fahrschalterexplosion“ neigten die ersten U-Bahnen der Baureihe A1, deren Fahrstrom in zwölf Stufen dosiert werden konnte, mit einer fatalen Eigenart zwischen den Stufen 8 und 9. Schaltete der Fahrer, morgens vielleicht noch etwas schläfrig, zu langsam und unpräzise, konnte der Schalter durchschmoren und sich in der erwähnten „Fahrschalterexplosion“ aus dem Dienst verabschieden – eine rücksichtslose, doch nachdrückliche Art, den Fahrer auf sein Unvermögen hinzuweisen.

Von 1902 bis 1926 erwarb die Berliner Hochbahn-Gesellschaft 364 Trieb- und 254 Beiwagen der A1-Reihe, das allzu feurige Temperament bekam man aber bald durch eine neue Schaltung in den Griff. Bei den bis zum 5. November 1989 von der BVB in Ost-Berlin eingesetzten Exemplaren spielte das längst keine Rolle mehr, aber es kann bei den heutigen Traditionsfahrten ja nicht schaden, der Tücken des Alltags früherer Zeiten zu gedenken. Zumal Wagen der frühen A1-Reihe auch beim Zusammenstoß zweier Züge am Gleisdreieck beteiligt waren, am 26. September 1908. Doch gemach: Das wäre heute selbst dort nicht mehr möglich.

Am heutigen Sonntag, von 12.40 Uhr bis 16.40 Uhr, setzt die BVG auf der U-Bahnlinie U 2 zwischen Pankow und Potsdamer Platz zwei Oldtimer aus den Anfangsjahren ein – mit viel Holz und Messing im Innern. Erhalten werden die Züge ehrenamtlich von der Arbeitsgemeinschaft U-Bahn. Mit der Traditionsfahrt – zum üblichen Tarif – soll an den letzten Einsatz dieser Züge vor 25 Jahren erinnert werden. So lange waren sie im Ostteil zwischen den Stationen Vinetastraße und Otto-Grotewohl-Straße (heute Mohrenstraße) in Betrieb.

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