Berlin : Olympia 2000: Angezapft: Zwischen "Billabong" und "Never Never Land"

Benjamin Wagener

Guten Morgen, liebe Sportfans oder besser gute Nacht! Heute beginnen die Olympischen Spiele in Sydney und für Olympiagucker wohl Wochen mit chronischem Schlafmangel. Die Zeitverschiebung beträgt neun Stunden: Wenn es in Sydney 9 Uhr morgens ist, ist es in Berlin erst 24 Uhr. Die Fernsehübertragungen der Wettkämpfe starten bei uns gegen Mitternacht und dauern je nach Wettbewerb bis in den Vormittag. Das bedeutet, dass der Sportfan, der beispielsweise Jan Ullrich im Kampf um die Goldmedaille beim Straßenrennen der Radfahrer erleben will, sich am 26. September um ein Uhr nachts aus dem Bett quälen muss. Ein starker Kaffee und Streichhölzer für die schweren Augenlider sollten da schon bereit liegen.

Besser als diese hausbackenen Mittel gegen Müdigkeit beim Olympiaschauen ist aber vielleicht eine lustige, das eine oder andere Bier trinkende Runde mit anderen Sportfans. Doch wo kann man die finden - besonders, wenn zu Hause die Gefahr besteht, dass der übernächtigte, von Anfeuerungsrufen etwas gereizte Mitbewohner gegen vier Uhr morgens die Fernsehübertragung des langerwarteten Zieleinlaufs des Marathonwettbewerbes ausschaltet?

Zwei australische Kneipen in Berlin bieten für diese Notfälle Alternativen: Im "Never Never Land" in Schöneberg und im "Billabong" in Mitte sind Großbildleinwände installiert, auf denen Sportfans die Wettkämpfe im Patenland der Kneipen verfolgen können. "Never Never Land" steht in "Down Under" für das heiße, dünn besiedelte australische Hinterland. Heiß hergehen darf es schon, nur dünn besiedelt sollte das "Never Never Land" während der Olympiawochen nicht unbedingt sein, so jedenfalls die Hoffnung von Murat Okutan.

"Wir werden alle Zusammenfassungen und alle Berichte zeigen," sagt Okutan - auch außerhalb der normalen Öffnungszeit bis zwei Uhr. "Wenn jemand morgens um vier oder fünf noch Gewichtheben oder Leichtathletik schauen will, werden wir ihm auch das ermöglichen und länger auf haben." Für das leibliche Wohl während der langen Olympianächte hat das "Never Never Land" den "Olympic-Burger" in die Speisekarte aufgenommen. "Er ist mit einem Durchmesser von 20 Zentimetern und einem Gewicht von 400 Gramm der größte Burger der Stadt - aus 100 Prozent Känguruh-Fleisch versteht sich", sagt Murat Okutan.

Auch im australischen Restaurant "Billabong" kann man auf der Großbildleinwand Olympia schauen. "Sollten Fans auch nachts zu gucken wollen, werden wir länger öffnen", sagt auch Matthias Breiter der Besitzer des "Billabong". Das Wort, das dem Restaurant seinen Namen gab, stammt aus der Sprache der Aborigines und bezeichnet eine Art Teich neben einem ausgetrockneten Flußlauf während der Trockenzeit. In der regenlosen Periode treffen sich dort alle Bewohner der australischen Steppe.

Wer Glück hat und die Olympischen Spiele 2000 im "Billabong" verfolgt, kann einen solchen Wassertümpel vielleicht bald in natura besuchen: Der Hauptgewinn im Olympiaquiz des australischen Restaurants ist eine Reise für zwei Personen nach "Down Under". Möge Olympia also beginnen und die Müdigkeit von uns weichen.

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