Berlin : Olympia 2000: Der Streit geht weiter

15 Jahre nach der erfolglosen Bewerbung führt die Sportstättenbau noch Prozesse

Klaus Kurpjuweit

Auch 15 Jahre nach der gescheiteren Bewerbung für die Olympischen Spiele 2000 weht immer noch ein Hauch von Olympia durch die Stadt – wenn auch ziemlich verborgen. Noch immer aktiv ist die extra für die Bewerbung gegründete Olympia Sportstättenbau GmbH, (OSB) die zwar nicht mehr viel zu tun hat, aber immer noch vier Mitarbeiter beschäftigt. Angesiedelt ist sie bei der Stadtentwicklungsverwaltung.

Unter der Regie der OSB wurden die Max-Schmeling-Halle am Falkplatz in Prenzlauer Berg sowie das Velodrom und die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark an der Landsberger Allee in Prenzlauer Berg gebaut. Die Max-Schmeling-Halle ist 1996 eröffnet worden, die Hallen im Europasportpark folgten 1999. Die Berliner Sportstättenbau GmbH wurde danach aber nicht aufgelöst. Doch die Zahl der Mitarbeiter sank von einst rund 20 auf heute nur noch vier.

Sie beschäftigen sich nach wie vor mit den beiden Hallenkomplexen. Jetzt aber vor Gericht. Aus der Bauzeit der Hallen stehen immer noch diverse Klagen von und gegen Baufirmen aus; nach Tagesspiegel-Informationen sind insgesamt rund 15 Millionen Euro strittig. Die Verfahren ziehen sich seit Jahren in die Länge. Da die Mitarbeiter der OSB sich bestens mit der Materie auskennen würden, greife man auf diese Erfahrungen zurück, bis die Verfahren abgeschlossen seien, sagte die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Petra Rohland.

Sollte vor Gericht auch nur ein Teil der 15 Millionen Euro zugunsten der OSB erstritten werden, hätte sich der Aufwand gelohnt. Weil die Mitarbeiter nicht mehr Vollzeit arbeiten, kommt die OSB nach Angaben von Rohland in diesem Jahr mit einem Etat von 160 000 Euro aus, 2008 soll er sogar auf 130 000 Euro sinken.

Beim Bau der Hallen war die OSB bereits erfolgreich. Mit Gesamtkosten in Höhe von 400 Millionen Euro sei man im Kostenrahmen geblieben, heißt es. Und gerne vergleichen die Bauherren ihre Zahlen mit denen beim Bau des Hauptbahnhofs. Die drei neuen Hallen seien zusammen etwa so groß wie der Hauptbahnhof, das verwendete Material ähnlich. Trotzdem sei der Hauptbahnhof dreimal so teuer geworden.

Genutzt hat es der OSB aber nicht viel. Sie hatte sich nach dem Bau der Sporthallen, mit dem übrigens schon vor der Abstimmung über die Bewerbung begonnen worden war, auch um andere Planungsaufträge bemüht. Allerdings vergeblich. In diesem Bereich gebe es einen geschlossenen Markt, in den einzudringen kaum möglich sei, heißt es bei der OSB.

Und so kümmern sich die verbliebenen Mitarbeiter weiter um noch die ausstehenden Prozesse – und lassen hin und wieder neue Apfelbäume an den Hallen pflanzen. Klaus Kurpjuweit

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