Berlin : Olympia 2012: Nach dem olympischen Fehlstart: Berlin läuft sich wieder warm

Sigrid Kneist

Olympia ist in Berlin wieder im Gespräch. Jahrelang vermieden Politiker, über Bewerbungsambitionen der Stadt zu sprechen. Das Debakel von 1993, als Berlin bei der Kandidatenkür in Monte Carlo für die Spiele 2000 lediglich neun Stimmen erhielt, war zu gut in Erinnerung. Jetzt ist zwar noch kein wirkliches Olympiafieber ausgebrochen, aber das Thema wird virulent. Denn am 3. November wird das Nationale Olympische Komitee entscheiden, ob es in den nächsten Jahren wieder eine deutsche Bewerbung um die Spiele geben wird. Und es scheint wahrscheinlich, dass das NOK für Olympia 2012 ins Rennen gehen wird. Da möchte man in Berlin nicht abseits stehen. Zumal es dann auch noch ein bis eineinhalb Jahre dauern wird, bis der endgültige deutsche Kandidat nominiert wird.

Zum Thema Online-Umfrage: Soll Berlin sich um die Olympischen Spiele 2012 bewerben? Bisher haben Leipzig, Frankfurt (Main), Düsseldorf und das Ruhrgebiet, Stuttgart und Hamburg ihr Interesse angemeldet und teilweise ihre Kandidaturen umfangreich vorbereitet. Aber auch für Berlin würde die Zeit noch reichen, sich zu positionieren, heißt es beim NOK. Die Stadt könne auf die Arbeiten ihrer seinerzeitigen Bewerbung zurückgreifen. Dass Berlin damals nicht besonders ruhmreich abgeschnitten hatte und andere deutsche Regionen - beispielsweise das Ruhrgebiet - zugunsten der Hauptstadt zurückgesteckt hatten, werde für das NOK bei einer erneuten Bewerbung keine Rolle spielen: "Da entscheiden die Mitglieder unvoreingenommen." Nach Auffassung des hiesigen Landessportbundes sollte Berlin also durchaus in den Ring steigen. Eine Mitgliederversammlung im Sommer brachte eine große Mehrheit für eine Bewerbung 2012.

Der Senat hingegen sieht es verhaltener; angesichts der schwierigen Lage der Stadt will er sich nicht unbedingt mit einem Thema wie Olympia befassen, was der Erfahrung nach Kontroversen mit sich bringt und dadurch die Arbeit belastet. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) favorisiert eine Bewerbung für 2016, und dem schließt sich auch der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten, Michael Müller, an. "Für ein solches Projekt muss man die Zeit und die Luft haben, sich darauf vernünftig vorbereiten zu können", sagt Müller. Auch von anderen Sozialdemokraten hört man immer wieder, dass Berlin frühestens für 2016 eine Bewerbung starten sollte. Vorher habe man mit der Konsolidierung des Haushaltes genug zu tun.

Sportsenator Klaus Böger (SPD) kann sich allerdings auch eine Bewerbung für das Jahr 2012 vorstellen. Allerdings müssten die Voraussetzungen dafür stimmen, sagt sein Sprecher Thomas John. Die Unterstützung der Wirtschaft und eine breite Zustimmung in der Bevölkerung müssten gegeben sein. Für eine Bewerbung sprechen nach Johns Angaben unter anderem die gute Infrastruktur und die vorhandenen Sportstätten: das sanierte Olympiastadion sowie die im Rahmen der Bewerbung für 2000 gebauten Hallen, die Max-Schmeling-Halle, das Velodrom und die Schwimmhalle.

Beim Koalitionspartner Bündnis 90/Grüne wird Böger mit einem Vorstoß für 2012 auf nicht viel Gegenliebe stoßen. "Wir sind der Auffassung, dass erstmal die Hausaufgaben gemacht werden müssen, statt Blütenträumen nachzuhängen", sagt Fraktionssprecher Matthias Tang mit Blick auf die Finanzsituation der Stadt. "Zurzeit haben wir dafür kein Geld, keine Zeit, keine Kraft." Frühestens 2016 heißt dort die Devise, wenngleich das Thema bei den Grünen ohnehin nicht besonders populär ist. Bei der PDS hält sich die Begeisterung für Olympia ebenfalls in Grenzen. "Wir haben nichts gegen Großveranstaltungen, brauchen aber keine Fixierung auf die Großevents", sagt Stefan Liebich, wirtschaftspolitischer Sprecher der PDS. Auch die Berliner Industrie- und Handelskammer hält sich ziemlich bedeckt. Nur wenn gewährleistet sei, dass eine Bewerbung als ein nationales Anliegen in der Bundesrepublik angesehen wird, dann könne sie Erfolg versprechend sein, sagte Sprecher Stefan Siebner. Dafür gebe es aber derzeit wenig Anzeichen.

Auf jeden Fall für eine Bewerbung im Jahr 2012 spricht sich der sportpolitische Sprecher der CDU, Axel Rabbach, aus. Es sei illusorisch zu glauben, man könne sich das Bewerbungsdatum aussuchen. Denn wenn man beispielsweise auf eine Kandidatur verzichte und dann eine andere europäische Stadt den Zuschlag erhalte, könne man den nächsten Bewerbungsdurchgang vergessen. Ohnehin müsse man davon ausgehen, mehrere Male antreten zu müssen. Dies sei in Barcelona, Peking oder Athen nicht anders gewesen. Dies sieht Dietmar Bothe vom Landessportbund ähnlich: "Olympia ist ein Generationsprojekt."

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