Berlin : Olympia-Bewerbung: Beim nächsten Mal wird es billiger

Sigrid Kneist

Für den Berliner Sport zumindest hat sich die blamable Bewerbung um Olympia 2000 gelohnt. Er profitiert heute von Einrichtungen, die damals geplant und anschließend verwirklicht wurden. Gebaut wurden die Max-Schmeling-Halle, das Velodrom und das Schwimmstadion an der Landsberger Allee; drei Sportstätten, die internationalen Kriterien genügen. Ein weiteres Sportgroßereignis wirft in Berlin seine Schatten voraus: die Fußball-WM 2006. Auch dieses Turnier bringt den Sport weiter. Weil hier das Eröffnungs- oder Endspiel stattfinden soll, wird das Olympiastadion grundlegend saniert.

Wegen dieser Sportarenen verweist die Sportverwaltung gerne darauf, dass die Stadt aus sportlicher Sicht für ein Großereignis wie die Olympischen Spiele 2012 schon jetzt gute Ausgangsvoraussetzungen hat und über ein gutes Fundament verfügt. Das soll natürlich nicht heißen, es seien nicht noch große Investitionen notwendig.

Zum Thema Ted: Soll Berlin Steuergelder für die Olympiade einsetzen? Ein "Olympia der kurzen Wege" hatten sich die Planer für Olympia 2000 vorgestellt. Kernstück des damaligen Konzept waren das Olympiastadion mit dem angrenzenden Gelände und dem benachbarten Olympiadorf in Ruhleben in der so genannten Murellenschlucht. Nicht weit entfernt davon sollten auch die Messehallen für verschiedene Wettkämpfe wie Volleyball oder Tischtennis genutzt werden. Dort war auch das Medienzentrum geplant. Eine große Olympiahalle war an der Chausseestraße konzipiert, der damalige Bausenator Wolgang Nagel hatte dieser nie verwirklichten Sportstätte sogar schon einen Namen gegeben: Lili-Marleen-Halle. Den olympischen Fußball hatte man unter anderem in der "Alten Försterei" angesiedelt, Boxen und Ringen in der Schmeling-Halle, den Radsport im Velodrom und die Schwimmwettbewerbe im angrenzenden Schwimmstadion. Die Reiter hätten ihre Wettkämpfe in Hoppegarten austragen sollen, die Tennisspieler beim Verein LTTC Rot-Weiß und die Ruderer ihre Wettkämpfe auf dem Templiner See in Brandenburg. Die Sportfunktionäre, Schieds- und Kampfrichter sollten Quartier nehmen an der Rummelsburger Bucht. Für die internationalen Medienvertreter sollte ein Komplex an der Eldenaer Straße hergerichtet werden. Der "Olympia-Express", ein besonderer Zug auf der S-Bahn-Trasse, hätte Sportler, Offizielle, Medienvertreter und andere Olympia-Beteiligte schnell überall hinbringen sollen. Nur die Segelwettbewerbe wollte man nach Rostock auslagern.

Das Finanzkonzept für Olympia 2000 ermittelte einen Investitionsbedarf von insgesamt 11,2 Millarden Mark. Gut 7,9 Milliarden Mark davon wies man aber als so genannte nicht-Olympia-bedingte Kosten aus. Man ging davon aus, dass diese Investitionen später der Stadt zugute kämen. Dazu zählte man den Bau der Hallen und die Sanierung des Olympiastadions (1,2 Milliarden Mark) oder den Ausbau der Messe (knapp zwei Milliarden Mark). Lediglich alle Ausgaben, die nur für die Ausrichtung der Spiele notwendig waren, galten als olympia-bedingte Kosten. Diesen Ausgaben von 3,277 Milliarden Mark stellte man erwartete Einnahmen in Höhe von 3,467 Milliarden Mark gegenüber, so dass sogar ein Gewinn von 190 Millionen Mark errechnet wurde.

Sowohl beim Landessportbund (LSB) als auch in der Sportverwaltung geht man davon aus, dass das Konzept von damals in den meisten Punkten immer noch Gültigkeit hat. Zudem sei der Investitionsbedarf inzwischen längst nicht mehr so hoch wie damals: Viele Projekte seien verwirklicht. Das Olympia-Stadion sei 2004 rundum erneuert. Die bereits gebauten Hallen müssten lediglich saniert werden, im Schwimmstadion allerdings die Zuschauerkapazitäten merklich (von 2000 auf 10 000) erhöht werden. Das S-Bahn-Netz für einen Olympia-Express sei inzwischen fertig gestellt. Für die Spiele könnte man, wenn nötig, an bestimmten Orten temporäre Bahnhöfe bauen, sagt Dietmar Bothe, Sprecher beim LSB. Mit eine privat finanzierten Großhalle sei ebenfalls in den nächsten Jahren zu rechnen, entweder in Siemensstadt oder am Ost-Bahnhof. Auch für die Messehallen wären die noch ausstehenden Kosten bedeutend geringer, da bisher schon zwei Milliarden Mark für den Ausbau investiert werden. Sollte Berlin den Zuschlag für das Medienzentrum bei der Fußball-WM 2006 erhalten, fiele auch diese Investition weg. Vor allem beim Tennis müsste man nach Angaben Bothes umdenken: Die Anlage beim LTTC Rot-Weiß entspreche nicht den olympischen Standards. Auch beim Rudern erfüllt eine Strecke auf einem See nicht mehr die Anforderungen. Gerudert werde heutzutage meist auf künstlich angelegten Gewässern, sagt Bothe.

Ein Olympisches Dorf in Ruhleben halten Experten allerdings nicht mehr für durchsetzbar. Als einen möglichen Standort nennt der LSB-Sprecher jetzt das Areal des Flughafens Tempelhof, der bis dahin längst geschlossen sein soll. Ohnehin scheint ein solches Siedlungsprojekt in einer Stadt, in der es derzeit einen großen Wohnungsleerstand gibt, schwer zu verwirklichen. Anfang der neunziger Jahre konnte man ein olympisches Wohnungsbauprojekt, das Kosten von 4,2 Milliarden bedeutete und damit den größten Investitionsbrocken darstellte, als durchaus notwendig für die Stadt darstellen.

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