Berlin : Olympia-Bewerbung weiter offen

Falsch verstandenes Zitat des IOC-Präsidenten Rogge stiftet Verwirrung

Stefan Tillmann

Falsch verstandenes Zitat des IOC-Präsidenten Rogge stiftet Verwirrung. Berlin und München dürfen sich weiter Hoffnung auf die Austragung der Olympischen Spiele machen. Ein missverständliches Zitat hatte zunächst die Berliner und Münchner Organisatoren beunruhigt. „Olympische Spiele sollten nur noch an Städte vergeben werden, die sie zuvor noch nie ausgerichtet haben“, soll Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Wochenende bei den Allround-Weltmeisterschaften der Eisschnellläufer im niederländischen Heerenveen gefordert haben. Das hatten Nachrichtenagenturen und einige Zeitungen gemeldet.

Entwarnung gab es gestern aus der Schweiz und Frankfurt. „Der Präsident wurde falsch zitiert“, sagte die IOC-Sprecherin Giselle Davies. Rogge habe gesagt, dass die Olympia-Orte stark von den Spielen profitierten – und die Zahl der Bewerber stark gestiegen sei. Dies wurde so verstanden, als ob sich nur noch Orte ohne Olympia-Erfahrung bewerben dürften. Tatsächlich ermutige der IOC Bewerbungen von ehemaligen Austragungsorten, weil die Infrastruktur teilweise erneut genutzt werden könne.

Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sprach von einer „Fehlinterpretation“, welche die Entscheidung über eine künftige deutsche Olympiabewerbung in keiner Weise beeinflusse. Berlin erwägt eine Kandidatur für 2020 oder 2024, München will sich eventuell um die Winterspiele 2018 bewerben. Die Hauptstadt war bereits 1936, München 1972 Austragungsort.

Die Berliner warten zunächst das Verhalten der Münchner ab. München will sich nur dann für die Winterspiele 2018 bewerben, wenn im Juli Salzburg und Berchtesgaden keinen Zuschlag für die Spiele 2014 erhalten. Falls Salzburg und Berchtesgaden Ausrichter werden und München auf eine Bewerbung verzichtet, käme Berlin für die Sommerspiele 2020 oder 2024 in Frage.

Eine andere Meldung wurde bestätigt: Der IOC-Chef Rogge stellte klar, dass der globale Klimawandel bereits die bevorstehende Vergabe der Olympischen Winterspiele 2014 stark beeinflussen werde. „Wir müssen genau hinschauen, wie sich die Klima- und damit auch die Schneebedingungen in den drei Bewerberorten für 2014 in den kommenden sieben Jahren gestalten. Das wird ganz entscheidend sein“, sagte der Belgier.

Rogge schloss Kunstschnee als Alternative für Ausrichter von Winterspielen bei steigenden Temperaturen aus. „Dieser ist nur bis zu Temperaturen von sechs Grad einsetzbar.“ Dies würde auch die Bewerberchancen von München schmälern.

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