Berlin : Olympia-Veteranen am Start

Sigrid Kneist

Viel Zeit hat Berlin nicht. Bis Ende Dezember will der Regierende Bürgermeister eine Entscheidung herbeiführen, ob sich die Stadt um die Olympischen Spiele 2012 bewirbt. Eigentlich sollte man glauben, es seien im Senat die Olympia-Beauftragten schon aktiv, Ideen zu entwickeln und Konzepte zu erarbeiten, auf denen die politische Willensbildung gründen kann. Aber da täuscht man sich, jede Verwaltung besteht darauf, dass es einen Olympia-Beauftragten bei ihr nicht gibt. Erst sollen sich die künftigen Koalitionäre einigen.

Gleichwohl gibt es natürlich etliche Protagonisten, die die olympischen Strippen ziehen oder ziehen wollen. Dabei trifft der Betrachter viele Bekannte von Anfang der 90er Jahre, als die Olympia-Pläne für die Spiele 2000 scheiterten. Eine Forderung des Bundes der Steuerzahler zu einer Bewerbung dürfte damit nur schwer zu erfüllen sein: "Es darf niemand beteiligt sein, der an der gescheiterten Kandidatur für 2000 mitgewirkt hat." Selbst das Maskottchen von damals, das Punkt-Punkt-Komma-Strich-Bärchen wird wieder hervorgeholt. Die Rechte an dem Emblem haben für 25 000 Mark nach einer Ausschreibung im Amtsblatt drei Männer gekauft. Das Trio bietet sich jetzt an, die nationale Olympia-Bewerbung Berlins zu stemmen: IHK-Präsident Werner Gegenbauer, der Unternehmensberater Nikolaus Fuchs und der Ex-Bauträger Roland Specker, der vor sechs Jahren die Reichstagsverhüllung von Christo und Jeanne-Claude organisierte. Zumindest Fuchs und Specker sind in Sachen Olympia keine Unbekannten. Fuchs war der erste Geschäftsführer der Olympia Marketing GmbH, die als privat geführte Gesellschaft Geld aus der Wirtschaft einwerben sollte. Der Unternehmensberater Fuchs agierte dabei recht erfolgreich, bis er über die so genannte Sex-Dossier-Affäre stolperte. Ein Fernsehmagazin hatte berichtet, man habe erwogen, Daten über die sexuellen Vorlieben der Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees zu sammeln. Specker, der sich 1990 aus der aktiven Tätigkeit in seinem Unternehmen zurückgezogen hatte, interessierte sich seinerzeit dafür, die Olympia-Bewerbung zu übernehmen. "Aus verschiedenen Gründen hat es damals nicht geklappt", sagt Specker heute. Der Senat entschied sich für den Werbemann Lutz Grüttke, der nach einigen Skandalen gehen musste. Und nach einer Übergangszeit, in der Dietrich Hinkefuß aus der Senatskanzlei die Gesellschaft leitete, für den Ex-Treuhand-Direktor Axel Nawrocki - der ebenfalls keine glückliche Hand bewies. Jetzt sind Gegenbauer, Specker und Fuchs fest davon überzeugt, die Kosten für die nationale Kandidatur mit zwei bis drei Millionen Mark vorfinanzieren und mit Spenden aus der Berliner Wirtschaft bestreiten zu können.

Sportsenator Klaus Böger, der heute im Senat der deutlichste Fürsprecher der Berliner Bewerbung ist, war seinerzeit auch auf diesem Gebiet aktiv. Als sportpolitischer Sprecher der SPD durfte er im September 1993 in Monte Carlo mit dabei sein, als Berlin mit gerade einmal neun Stimmen als zweitletzter Bewerber aus dem olympischen Rennen ausschied. In seiner Verwaltung kann Böger jetzt auf die Erfahrung seines Abteilungsleiters Jürgen Kießling zurückgreifen, der 1990 die erste Olympia-Machbarkeitsstudie entwickelte.

Auch der einflussreichste Gegner von Olympia 2012 war Anfang der Neunziger mit von der Partie: Manfred von Richthofen, heute Präsident der Deutschen Sportbundes, damals des Landessportbundes. Während er die erste Bewerbung mittrug, wenn auch mit bisweilen unverhohlener Kritik an der Olympia GmbH, rät er Berlin jetzt mit Hinblick auf die desaströse Haushaltslage ab. Animositäten zwischen von Richthofen und dem Chef des Nationalen Olympischen Komitees, Walther Tröger, der Anfang der Neunziger Berlin wohl gesonnen war und auch diesmal eine zumindest nationale Bewerbung nicht ablehnt, gab es damals schon. Richthofens Idee, Berlin erst für 2016 quasi als Joker ins Rennen zu schicken, erteilte Tröger jetzt prompt eine Absage. Er könne dem DSB-Präsidenten nicht folgen.

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