Berlin : Olympiagelände: Ideen für den "Olympiapark"

Holger Wild

Zum Olympiagelände - gehört auch das Maifeld. Da fanden früher Paraden statt, heute feiert Hertha BSC hier Saisoneröffnungspartys, gelegentlich wird Polo gespielt. Die Berliner kennen es, ebenso das Freibad Olympiastadion. Wer aber, außer Hockeyspielern, würde auf dem Olympiagelände sofort das Hockeystadion finden? Wer außer eingefleischten Hertha-Fans kennt die Sportplätze, wo die Profis trainieren? Die Wasserfreunde Spandau 04 nutzen die Schwimmhalle im Haus des Deutschen Sports - welcher Berliner wüsste sonst noch, dass es die überhaupt gibt?

Das Olympiagelände, ein riesiges Gebiet von 130 Hektar, ist im Bewusstsein der Stadt nicht mehr verankert. Bis 1994 hatten die Briten hier ihr Hauptquartier. Auch heute noch ist es nur eingeschränkt zugänglich. Dabei, so sagt es Sportsenator Klaus Böger (SPD), handele es sich bei dem Gelände um ein "Juwel". Nachdem es vor kurzem vom Bund auf Berlin übertragen wurde, soll es nun "geschliffen", nämlich entwickelt werden. Soll zum "Olympiapark Berlin" werden.

Als ersten Schritt dorthin hat Bögers Verwaltung ein Leitkonzept erarbeitet. Es soll die Diskussion um die Zukunft des Geländes eröffnen, seine Möglichkeiten aufzeigen, aber auch die Probleme, die zu lösen sind, wenn es einmal zu einem "attraktiven Ort für Sport, Kultur und Freizeit" werden soll.

Geklärt und finanziell gesichert ist bisher allein die Zukunft des Olympiastadions als Herzstücks des Gebietes. Das Olympia-Schwimmbad aber muss kaum weniger dringend saniert und modernisiert werden, was rund 50 Millionen Mark kosten dürfte. Böger schlägt vor, es zusammen mit östlich anschließenden Brachflächen zu einem ganzjährig nutzbaren Erlebnis-Bad zu erweitern und dafür einen privaten Investor zu suchen. Für die meisten Sportplätze nördlich des Stadions hat das Land einen privaten Partner bereits gefunden: Hertha BSC. Sie sind dem Verein für den Aufbau seines Vereinszentrums überlassen, dafür trägt er auch weitgehend die Unterhaltskosten. Auch Teile des ehemaligen "Hauses des deutschen Sports" hat Hertha übernommen und ein Sportinternat dort untergebracht.

Große Bereiche dieses denkmalgeschützten Gebäudekomplexes aber stehen weitgehend leer. Böger könnte sich vorstellen, das NOK dort unterzubringen, Sportverbände oder -Institute, vielleicht auch das geplante Sportmuseum. Eine kommerzielle Nutzung scheint dagegen aufgrund seiner architektonischen Struktur höchst unwahrscheinlich.

Anders wiederum im Bereich der Reitanlagen im Südwesten des Olympiageländes. Hier kann sich die Sportverwaltung als zweiten "Besuchermagneten" neben dem Erlebnisbad ein "Sport- und Entertainmentcenter" vorstellen, das privat zu finanzieren wäre. Eine Vergnügungsstätte nach Art von "Disneyland" schließt Böger aber aus.

Sicher ist, dass das Management des künftigen "Olympiaparks" in der Hand einer gemeinsamen Betreiber-Gesellschaft öffentlicher und privater Teilhaber liegen soll. Deren Gründung - wohl als GmbH - ist die Voraussetzung für alles weitere. Böger hofft, dann im Frühsommer 2002 mit den ersten Ausschreibungen, etwa für das Erlebnisbad, beginnen zu können.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben