Berlin : Olympiastadion: Besucher saßen 50 Jahre auf einer Bombe

C. v. L.

Was wäre, wenn - über das schreckliche Szenario wollten Polizei und Feuerwehr, Senatsbauverwaltung und die Firma Walter-Bau gestern gar nicht länger nachdenken. Der Gedanke, dass über 50 Jahre Zehntausende Besucher des Olympiastadions ahnungslos über einer Bombe gesessen hatten, war schlimm genug.

Bauarbeiter hatten die britische Fliegerbombe - 250 Kilo schwer - am Montag gegen 17 Uhr bei Schachtarbeiten im südwestlichen Unterring entdeckt. Die Bauarbeiten wurden sofort eingestellt, die Fundstelle gesperrt, ein 300 Meter breiter Sicherheitsabstand gezogen. Die Feuerwerker des Landeskriminalamtes entschieden sich, die Fliegerbombe wegen der Dunkelheit erst am nächsten Morgen zu entschärfen.

Zuvor musste das Gewinde des Zünders geschnitten werden, weil es beschädigt war. Um 10 Uhr 57 meldete die Polizei, dass die Gefahr gebannt sei. Die rund 300 Bauarbeiter konnten wieder ans Werk, ab sofort allerdings ständig von einem Munitionsexperten begleitet, um ein "letztes Risiko" auszuschließen, wie Peter Steinhorst von Walter-Bau mitteilte. Der Sprengsatz war auf der Seite der Anzeigetafel gefunden worden, unterhalb der Tribüne. In dem Baufeld wird seit Dezember gearbeitet, alte Sitzreihen werden abgerissen, Bagger fressen sich ins Erdreich, weil eine neue Tribünenkonstruktion geplant ist. Der Aushub soll hier in zwei Wochen beendet sein. Zwischen Betonresten im Erdreich stießen die Bauarbeiter nun auf den Sprengkörper, dessen Trichter in den Nachkriegsjahren offenbar mit Beton verfüllt, die Bombe schlicht vergessen worden war.

So konnte sie in ihrem Betonmantel über fünf Jahrzehnte lang nicht entdeckt werden. Weitere Bombenfunde während der Erdarbeiten gelten als unwahrscheinlich, werden aber nicht ausgeschlossen. Im Stadionbereich sind bereits in den fünfziger Jahren Bomben geräumt worden.

Die Senatsbauverwaltung wertet jetzt Luftbilder aus, von alliierten Flugzeugen während des Bombenabwurfs aufgenommen. Die Fotos zeigten Lichtpunkte aber nur dort, wo Bomben dann auch explodiert seien.

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