Berlin : Olympiastadion: Der Arena wird das Dach genommen

Ingo Wolff

Das Dach ist weg. Während eine solche Feststellung bei jedem normalen Hauseigentümer eine schwere Krise auslösen würde, sorgt sie bei den Bauherren des Olympiastadion geradezu für einen Freudentanz. Denn nicht etwa ein Sturm hat die Überdachung der Gegentribüne im Olympiastadion genommen, sondern ein gigantischer Kran. Zerlegt in neun Teile, die von dem 156 Meter hohen Ungetüm abgetragen wurden, um Platz zu schaffen für das dann alle Plätze überdeckende Dach.

Den Bericht von der fehlenden Dachkonstruktion gibt Hans-Wolf Zophy. Natürlich wesentlich differenzierter vorgetragen, wie es sich für einen Projektleiter eines so großen Bauvorhabens wie der Umgestaltung des Olympiastadions gehört. Der Projektleiter der Walther Bau AG hat eine Ausstellungseröffnung zum Stadionumbau zum Anlass genommen, um vor Vertretern des Berliner Sports eine Zwischenbilanz zu ziehen. So befindet sich der abgerissene Unterblock zum Teil schon im Wiederaufbau, die erste Mauer des Marathontors steht wieder, einer der vier Lichtmasten ist umgelegt und die Erdarbeiten für die zweite Einfahrt sind fertig. Die ersten Stühle werden bis zum Rückrundenstart wieder eingebaut sein.

"Wir sind im Zeitplan", sagt Zophy. "Das Stadion ist am 1. Januar 2005 entgültig fertig und hat auch schon erste Praxiserprobungen hinter sich." Von diesen Veränderungen können sich nun auch alle Besucher der Ausstellung im Haus des Landessportbundes Berlin (LSB) überzeugen. Denn trotz des derzeit für Besucher geschlossenen Stadions kommen viele Anfragen von Umbau-Interessierten.

"Wir haben fast jede Woche eine Führung durch die Baustelle", sagt Zopfy. Zum größten Teil werden diese aber von Architekturstudenten und anderen Fachbesuchergruppen wahrgenommen. Mit der Eröffnung der neuen Ausstellung können sich nun auch Laien mit den Bauarbeiten beschäftigen. Neben Planskizzen, Grundrissen, Luftaufnahmen und Animationsbildern des künftigen Stadions werden auch ältere Erinnerungsstücke und Literatur gezeigt.

In einem Seitengang des Foyers hängen Vergrößerungen historischer Fotoplatten, die die Baugeschichte von 1936 dokumentieren. Zudem können sich Besucher mit Fotos und Videos über das aktuelle Baugeschehen informieren. "Wir wollen mit dieser Ausstellung einen Impuls geben", sagt LSB-Präsident Peter Hanisch, der hofft, damit die Diskussion um ein Sportmuseum und damit auch eine Ausstellung zum Geländes des olympischen Sportforums voranzutreiben.

Bis zum März wird die Ausstellung in den Räumen des LSB zu sehen sein, dann plant Walther Bau zusammen mit dem Senat eine eigene umfassendere Schau. Zophy nennt als mögliche Standort dafür den alten Kuppelsaal im Haus des deutschen Sports und hofft deshalb auf eine baldige Entscheidung des Senats. Wenn die Bauarbeiten dann zu Ende sind, wird wahrscheinlich auch nicht mehr über den Umbau diskutiert, sondern nur noch über die Leistung gestaunt. Bei den Premierengästen aus dem Sport war es bei der Eröffnung jedenfalls noch umgekehrt.

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