Olympiastadion : Graben soll umgebaut werden

Nach der Kritik der Stiftung Warentest an Sicherheitsmängeln im Berliner Olympiastadion gibt es erste Konsequenzen. Der umstrittene Graben um das Spielfeld soll umgebaut werden.

Berlin - Das teilte am Freitag die Stadtentwicklungsverwaltung mit. Bauexperten würden nach einer Lösung suchen, um den so genannten Reportergraben für die Fußball-Weltmeisterschaft sicherer zu gestalten. Das ist das Ergebnis eines Stadionrundgangs von Sicherheitsexperten und Politikern am Freitag.

Als Lösung des Problems kommen nach Angaben der Verwaltung flexible Übergänge wie etwa ausklappbare Stege in Frage. In der Diskussion um die Sicherheit in dem Stadion hatten sich an Ort und Stelle Sportsenator Klaus Böger, Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge- Reyer sowie Innensenator Ehrhart Körting (alle SPD), hochrangige Vertreter der Polizei und Feuerwehr sowie Mitglieder des WM-Organisationskomitees getroffen. Trotzdem betonte die Sprecherin von Junge-Reyer, das Stadion sei aber ein «vollkommen korrektes Gebäude ohne Sicherheitsmängel». Alle Auflagen des Weltfußballverbandes seien erfüllt, sagte Manuela Damianakis.

Nähere Ergebnisse der Beratungen soll es erst geben, wenn weitere Fachleute sich mit der Kritik auseinander gesetzt haben. Bemängelt wurde von den Warentestern in einer Untersuchung besonders der so genannte Reportergraben zwischen Zuschauertribünen und Spielfeld. Er stelle im Falle einer Massenpanik ein Fluchthindernis dar. Aber auch die steilen Treppen im Oberring sollen wegen des Sturzrisikos nun überprüft werden, berichtete die «Berliner Zeitung» (Freitag).

Die Treppen haben keinen so genannten Handlauf zum Festhalten. Beim Umbau des Stadions sei auf solche Geländer verzichtet worden, da dadurch der Fluchtweg verengt worden wäre, so der Senat. Die Entscheidung solle aber nun noch einmal überprüft werden. Nach Informationen der Zeitung soll dort im April des Vorjahres nach einem Bundesligaspiel ein 72-Jähriger beim Verlassen des Oberrings gestolpert und mehrere Stufen herabgestürzt sein.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Olympiastadion-Chef Peter von Löbbecke hatten am Donnerstag angekündigt, die Hinweise der Stiftung Warentest zur Sicherheit in den WM-Stadien kritisch zu prüfen. Sie warnten jedoch vor übereilten Reaktionen auf die umstrittene Untersuchung der Stiftung. Das Olympiastadion, in dem sechs WM-Spiele stattfinden sollen, darunter das Finale am 9. Juli, hatte in der Untersuchung das Urteil «erhebliche Mängel» erhalten.

Unterdessen sieht die Stiftung Warentest möglichen Klagen der Stadionbetreiber wegen der bemängelten Sicherheitsrisiken laut Netzeitung «sehr gelassen» entgegen. «Wir haben bei unserer Studie die Sicherheitsrichtlinien der Fifa als Maßstab herangezogen», sagte Holger Brackemann von der Stiftung Warentest am Freitag der Zeitung. Diese würden vorsehen, dass Fluchtwege ins Stadioninnere vorhanden sein müssen. Gräben zwischen Zuschauertribünen und Spielfläche seien zu überbrücken.

Der Studie zufolge weisen die WM-Stadien von Berlin, Kaiserslautern, Leipzig und Gelsenkirchen «erhebliche» Sicherheitsmängel auf. Laut Netzeitung erwägt nicht nur der Betreiber und Besitzer des Gelsenkirchener Stadions, der Fußball-Bundesligaverein Schalke 04, eine Klage gegen die Stiftung. Auch die Betreibergesellschaft des Leipziger Zentralstadions, ZSL, schließe juristische Schritte gegen die Sicherheitsstudie nicht mehr aus. (tso/dpa)

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