Olympiastadion : Polizei probt Räumung

Die Polizei hat ein halbes Jahr vor Beginn der Fußball-WM die Notfallräumung des Berliner Olympiastadions geprobt.

Berlin - Gut ein halbes Jahr vor der Fußball-WM hat die Berliner Polizei die Notfallräumung des Olympiastadions nach einer Bombendrohung geprobt. Mit der Katastrophenübung am Schauplatz des Endspiels der Fußball-Weltmeisterschaft am 9. Juli 2006 wurde getestet, wie bei einem angedrohten Terroranschlag das Stadion so schnell wie möglich evakuiert werden kann. 850 Freiwillige - Polizisten und Hertha-Fans - spielten Fußballanhänger, die die Arena auf den Fluchtwegen verlassen müssen. Außerdem wurde für die simulierte Massenflucht erstmals eine neuartige Rettungsbrücke ausprobiert, die das Technische Hilfswerk eigens für das Olympiastadion entwickelt hat.

Die Stimmung ist gut an diesem sonnigen Tag im Fanblock an der Westseite des Olympiastadions. Für den Test ist nur ein Segment des riesigen Stadions gefüllt, und natürlich ist auch die Spielfläche leer. Doch die Fußballanhänger bringen sich selbst in Schwung, sie singen und machen immer wieder die Stadionwelle. Da schnarrt es blechern aus den Lautsprechern: «Hier spricht die Polizei. Bitte verlassen Sie das Stadion.» Es handele sich um eine Gefahrenlage, die Besucher sollten aber Ruhe bewahren, mahnt der Einsatzleiter.

Der Ernstfall ist da: Unbekannte Terroristen wollen im Stadion eine Bombe zünden. Die Polizei weiß zu diesem Zeitpunkt schon, dass die Drohung ernst zu nehmen ist. Die Mehrzahl der Besucher entkommt über die normalen Fluchtwege. Doch die Gäste in den Fanblöcken J und K sitzen in der Falle. Der Fundort der Bombe liegt vor ihren Rettungswegen. An den Seiten erheben sich unüberwindbare Sicherheitsscheiben, und nach unten wird der Fluchtweg durch den breiten Reportergraben versperrt. Erschwert wird die Lage durch einige randalierende Fans und eine Frau, die einen Kreislaufkollaps erleidet. Die Beamten reden Störern gut zu und helfen notfalls auch handgreiflich nach.

Jetzt kommt die Rettungsbrücke des THW zum Einsatz. Es dauert gut acht Minuten, bis die Techniker das Gerät über den Graben gehievt und befestigt haben. Dann drängen sich die Besucher in Zweierreihen ins Stadioninnere und von da durch das westliche Marathontor ins Freie. Alles geht vergleichsweise friedlich vor sich, an der Übung nehmen neben einigen Hertha-Fans vor allem Polizisten in Zivil und deren Angehörige teil. Auch Frauen, Kinder und Rollstuhlfahrer sind dabei. Viele sind durchgefroren und freuen sich auf warmen Tee und Bockwurst. Nach etwa 20 Minuten ist der letzte Teil der Übung vorbei.

«Das ist gut gelaufen», sagt Innensenator Ehrhart Körting (SPD) zufrieden. Auch Detlef Reichenbacher, Technischer Leiter der Olympiastadion GmbH, lobt den Einsatz. «Wir haben viel gelernt. Diesmal hat es beispielsweise wegen der Einrichtung der Rettungsbrücke noch einige Minuten zu lange gedauert. Normalerweise muss das Stadion in 15 Minuten komplett leer sein.»

Für Wolf-Dieter Müller, Polizeibeamter des Olympiastadions, sind vor allem die bei der Übung gemachten Fehler wichtig. «Wir haben gemerkt, dass die Kommunikation beispielsweise zwischen der Polizei und den anderen Kräften noch nicht so gut lief.» Das lag zum Teil schlicht an Funklöchern, aber auch an Schwächen in der Organisation. (tso/dpa)

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