Berlin : Olympiastadion: Strieder will den Glockenturm sehen ...

Michael Brunner

Dem neu entfachten Streit um das Dach des umgebauten Olympiastadions geht schon wieder die Luft aus. Auslöser war ein Vorstoß von Hertha BSC und der Firma Walter Bau zur Änderung der Baupläne. Statt der vom Senat favorisierten Variante mit 20 Stützen setzen Hertha und Walter Bau weiter auf ein "schwebendes" Dach. Dabei würde vor dem Marathontor ein großer Ring zu sehen sein (obere Abbildung).

In den Augen der Denkmalschützer ist das ein Unding: Die Sicht auf den Glockenturm müsse frei bleiben, fordern sie. Bausenator Peter Strieder (SPD) will verhindern, dass die Berliner Denkmalschützer überhaupt noch einmal mit der Dachkonstruktion zu tun bekommen. "Wir werden über die Variante mit den Stützen nicht mehr diskutieren", sagte Strieders Sprecherin Dagmar Buchholz.

Aus Sicht der Bauverwaltung erscheint weiteres Nachdenken über ein schwebendes Dach rechtlich fragwürdig und wirtschaftlich nicht vertretbar. "Das Dach mit Stützen war bereits Gegenstand der Ausschreibung. Wenn wir das ändern würden, müsste die Ausschreibung vollständig wiederholt werden und das wäre Wahnsinn", sagte Dagmar Buchholz. Von einer neuen Ausschreibung könne aber schon mit Blick auf die Termine keine Rede sein.

Bei einer Pressekonferenz hatten sich am Sonnabend kurz vor dem ersten Heimspiel der Saison Hertha-Präsident Walter Müller und Walter-Bau-Vorstand Hans Jürgen Hecklau gegen die Stützenkonstruktion nach Entwürfen des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner gewandt. Ihr Argument: Die Stützen verdecken etwa 1600 Zuschauern die freie Sicht. Aber ein Stadion für die Fußballweltmeisterschaft 2006 müsse den modernsten Ansprüchen genügen.

Der Senat ist, wie Hertha und die Firma Walter-Bau, Mitglied der Betriebsgesellschaft. Ein Senatsvertreter war bei der Pressekonferenz aber nicht dabei. Frank Bielka (SPD), Staatssekretär für Bauen und Wohnen, musste andere Termine wahrnehmen. Andernsfalls hätte er wohl versucht, die neue Diskussion ums Dach zu unterbinden.

Walter-Bau-Sprecher Alexander Görbing versucht jetzt, die Wogen zu glätten. "Es geht uns darum, weiter über die beste Lösung nachzudenken", sagt er. Niemand habe jedoch ein Interesse daran, an längst unterschriebene Verträge zu rühren. Im Klartext könnte das heißen: Die Frage ums künftige Dach soll offen gehalten werden, ohne den Bausenator allzu sehr zu reizen.

Dass nicht mehr viel zu machen sein dürfte, ist den Experten von Walter-Bau eigentlich klar. Dazu ist der Zeitplan für die 473 Millionen Mark teure Sanierung der Sportstätte viel zu knapp. Der Umbau wird bei laufendem Betrieb ausgeführt, 55 000 Plätze müssen währendessen stets bereit stehen. Das bedeutet, dass Unterring und Oberring Segement für Segment umgebaut werden. Im Unterring dauern die Arbeiten bis zum Mai 2002. Der Oberring soll im Mai 2003 fertig sein.

Wenn in Nord- und Südkorea bei den Fußballweltmeisterschaften 2002 die Mannschaften um den Titel spielen, wird es im Berliner Olympiastadion eine spektakuläre Aktion geben: Mit Spezialtechnik wird das Spielfeld um exakt 2,65 Meter gesenkt. Die Wahl fiel auf den Termin im übernächsten Sommer, weil wegen der verlängerten Liga-Spielpause dann genug Zeit ist.

Die Arbeiten an der Tiefgarage Süd beginnen im Februar 2001, an der Tiefgarage Nord soll von Oktober 2002 an gebaut werden. Beim Umbau kommen große Mengen von Material zum Einsatz: 70 000 Kubikmeter Beton und 20 000 Kubikmeter Stahlbeton-Fertigteile. Die Steinsetzer werden 24 000 Quadratmeter Platten aus Naturstein verlegen. Für die Dachkonstruktion mit Stützen, sind 2300 Tonne Stahl nötig, dazu 30 000 Quadratmeter Blech und 10 000 Quadratmeter Glas für den Glasrand. Nach dem Umbau wird es 76 065 überdachte Plätze geben. Derzeit hat das Stadion 75 434 Plätze, nur 27 623 davon sind überdacht. Vier Jahre sollen die Bauarbeiten insgesamt dauern.

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