Berlin : Olympiastadion wird verstaatlicht

Land Berlin betreibt künftig den Neubau – auf Kosten des Haushaltes. Aber für Hertha wird es billiger

Ulrich Zawatka-Gerlach

Der Senat will bis zum 15. Dezember Eigentümer und Betreiber des Olympiastadions werden. Damit gehen die Verpachtung, aber auch alle finanziellen Belastungen auf das Land Berlin über. Der Konzessionsvertrag mit der Walter Bau AG – die das Stadion sanierte, aber im Februar 2005 Pleite ging – wird beendet. Anschließend übernimmt das Land ein Baudarlehen von 40 Millionen Euro, das auf die Staatsschulden angerechnet wird.

Für Hertha BSC ist das gut. Wie aus einer vertraulichen Unterlage der Sportverwaltung hervorgeht, werden die Anteile des Bundesligavereins an der Stadion-Betriebsgesellschaft „für einen Kaufpreis von 1 Euro“ auf das Land übertragen. Hertha BSC muss dann eine Miete für die Nutzung des Olympiastadions zahlen, die seiner „finanziellen Leistungsfähigkeit angepasst“ wird. Das heißt: 3,275 Millionen Euro pro Saison, wenn Marcelinho & Co. in der Bundesliga spielen, aber nicht um den DFB- oder Europapokal. Bei mindestens einem Pokalspiel und drei Spielen in der Champions League steigt die Miete auf 4,75 Millionen Euro.

Im Vergleich zum bisherigen Nutzungsvertrag spart Hertha BSC etwa eine Million Euro. Außerdem sollen dem Verein „im Rahmen der Möglichkeiten Berlins“ 1,83 Millionen Euro erlassen werden. Es handelt sich um den Rest eines Liquiditätsdarlehens, das Hertha eigentlich noch an die Stadion-Betriebsgesellschaft zahlen müsste.

Die Verstaatlichung des Olympiastadions dient aber nicht nur der Förderung des Berliner Bundesligavereins. Ohne die Neuordnung wäre die Betriebsgesellschaft „auf Dauer nicht in der Lage gewesen, ihre Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Land Berlin zu erfüllen“, steht im Bericht des Sportsenators Klaus Böger (SPD) an den Vermögensausschuss des Parlaments. Damit sind Pachtzahlungen von 5,2 Millionen Euro jährlich gemeint, mit denen das große Baudarlehen bedient werden muss. Noch im Frühjahr 2005 hatte Böger öffentlich dementiert, dass die Stadiongesellschaft in finanziellen Schwierigkeiten sei.

Die aktuellen Zahlen sprechen eine andere Sprache: In der laufenden Saison könnte die Olympiastadion GmbH höchstens 2,4 Millionen Euro für Zins und Tilgung des Darlehens abzweigen, steht im Entwurf für den Wirtschaftsplan 2005/06. Das ist nicht einmal die Hälfte des benötigten Betrags. Bis 2008 ist keine Besserung in Sicht. Die Zahlen sind offenbar so prekär, dass der Aufsichtsrat der Stadiongesellschaft den Wirtschaftsplan bisher nicht abgesegnet hat. Die FDP-Abgeordnete Sibylle Meister beantragte daraufhin im Hauptausschuss des Parlaments, alle Haushaltsmittel für das Olympiastadion solange zu sperren, bis ein gültiger Wirtschaftsplan vorliegt. Die anderen Fraktionen stimmten zu.

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