Berlin : Olympiastadion: Zuerst fällt das Marathontor

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Der Bauarbeiter hebt die Hand. Langsam setzt sich der Gabelstapler in Bewegung, der Draht zur Saugglocke spannt sich. Zuerst rührt sich nichts, doch dann löst sich die graue Steinplatte vom Boden. Schließlich baumelt ein knapper Quadratmeter Naturstein in der Luft, gehalten vom Vakuum, das eine Pumpe unter der Saugglocke erzeugt hat. Mit dem Abtragen des Bodenbelags im Marathontor hat die Walter Bau AG jetzt den Umbau des Olympiastadions begonnen.

In vier Wochen soll anstelle des einsturzgefährdeten Marathontors eine Lücke im Oval klaffen. "Wir brechen das Tor ab, damit wir mit unseren Lkw in das Stadion fahren können", so Hans-Wolf Zopfy von der Walter Bau AG. Als erstes haben die Arbeiter in dieser Woche einen Pfeiler in der Stadionumfahrt entfernt. Das tragende Teil im Keller hatte die Zufahrt blockiert. Jetzt ragt dort ein roher Stumpf aus der Decke, ein rotes Stahlgerüst trägt an seiner Stelle die Last der Tribüne. Die gesamte Sanierung soll bis Ende 2004 dauern. Berlin zahlt der Walter Bau einen Festpreis von 473 Millionen Mark.

Es ist nicht das erste Mal, dass auf dem Gelände des einstigen "Reichssportfeldes" ein Stadion von Grund auf erneuert wird. Das dokumentieren Fotos auf dieser Seite, die dem Bild- und Textband "Olympiastadion Berlin. Steine beginnen zu reden" von Volker Kluge und Harf Zimmermann entnommen wurden. Wo die Arena der Olympischen Spiele von 1936 errichtet wurde, hatte zuvor das Deutsche Stadion gestanden.

Heute haben die Planer nicht nur Herthas europäische Ambitionen im Blick, sondern auch die Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Nach den Plänen des Architektenbüros Gerkan, Marg und Partner werden rund 76 000 überdachte Sitzplätze eingerichtet. Für die Fußball-Fans interessant: Entgegen ursprünglicher Erwägungen wird das Stadion nicht zu einer reinen Fußballarena umgestaltet. Hertha-Präsident Walter Müller meint trotzdem: "Das wird ein Fünf-Sterne-Stadion." Gebaut wird bei laufendem Spielbetrieb, 55 000 Zuschauer sollen währenddessen Platz finden.

Die Baufirma wird auch Asbest entfernen müssen. Der Baustoff ist aber nur an wenigen Stellen zu finden, so Dagmar Buchholz, Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder. Zuschauer seien "nicht gefährdet". "Das ist kein Palast der Republik."

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