Berlin : Olympische Gedankenspiele

Für den Handelskammer-Chef ist klar: Die Zeit ist reif für eine neue Bewerbung Berlins. Ein Pro & Contra

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Werner Gegenbauer muss beim Thema Olympia 2016 nicht lange nachdenken. „Ich fände es richtig, wenn sich Berlin erneut bewirbt“, sagt der IHKPräsident, der schon vor zweieinhalb Jahren ein vehementer Verfechter einer Kandidatur für die Spiele 2012 war. „Um alles darf sich Berlin bewerben, nur bei Olympia hat man immer Vorbehalte“, sagt Gegenbauer zu Kritikern der Spiele.

Bei der rot-roten Koalition werden Gegenbauers Worte nicht auf viel positiven Widerhall stoßen. Die Neigung, sich nach dem vorzeitigen Ausscheiden Leipzigs aus dem Reigen der Bewerberstädte für Olympia 2012 mit einer Kandidatur für die nächste Auswahlrunde zu befassen, ist äußerst gering. „Die Hauptstadt muss sich da nicht vordrängen“, sagt beispielsweise Peter Stadtmüller, Sprecher der SPD-Fraktion. Es gebe für die Stadt derzeit andere große Aufgaben zu erledigen. Beim Koalitionspartner herrscht ebenfalls Skepsis. Auch nach Ansicht von Senatssprecher Michael Donnermeyer gibt es derzeit keinen Grund, über eine Kandidatur nachzudenken. „Erst einmal müssen Sport und Politik analysieren, warum die Bewerbung Leipzigs gescheitert ist und wie die Chancen einer erneuten deutschen Kandidatur beurteilt werden“, sagte Donnermeyer.

Bei den Oppositionsparteien sind hingegen CDU und FDP Befürworter einer erneuten Berliner Bewerbung, Bündnis 90/Grüne bleiben sich in ihrer jahrelangen Linie treu, Olympia für Berlin abzulehnen. Der Landessportbund (LSB) denkt beim Stichwort Olympia langfristig. Werde jetzt eine europäische Stadt ausgesucht, entscheide sich das IOC bei der nächsten Kandidatenkür turnusgemäß für eine andere Weltregion. Somit „reden wir über einen Zeitpunkt 2020 oder später“, sagte LSB-Chef Peter Hanisch. In den neunziger Jahren endete die Kandidatur Berlins für die Spiele 2000 in einem Debakel: Lediglich neun der damals 94 IOC-Mitglieder konnten sich für Spiele an der Spree erwärmen. Nach dieser Erfahrung und angesichts der desolaten Haushaltslage schlossen SPD und PDS bei ihrem Koalitionsvertrag Ende 2001 eine Bewerbung für 2012 aus. Dabei hatte IHK-Präsident Gegenbauer damals gemeinsam mit dem Unternehmensberater Nikolaus Fuchs und dem Bauunternehmer Roland Specker angeboten, das nationale Bewerbungsverfahren mit privaten Mitteln zu finanzieren.

Zurzeit bewirbt sich Berlin um die Ausrichtung der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009, dem nach Olympia und Fußball-WM weltweit drittgrößten Sportereignis. Mit guten Erfolgsaussichten, wie es bei Landessportbund und Senat heißt. Allerdings ist Berlin auch hier schon einmal gescheitert: Vor zwei Jahren wurde die WM 2005 nach Helsinki vergeben. Dort entscheiden die Leichtathletik-Funktionäre Ende des Jahres, ob Berlin 2009 seinen Ruf als Sportstadt international unter Beweis stellen kann. Und sei es nur für die Leichtathletik.

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